Die Grenzen der Freiheit

Heidy Sarabia ist eine Professorin für Soziologie an der California State University in Sacramento. Ihr Forschungsschwerpunkt sind Globalisierungsprozesse, wie beispielsweise Grenzregionen und der transnationale sozialer Wandel (Sarabia, 2018). Dazu hat sie eine Forschungsarbeit über die Grenze zwischen Mexiko und den USA gemacht: „Borderland attachments: citizenship and belonging along the U.S.-Mexico border“.

Die Arbeit von Sarabia an der US-Mexikanischen Grenze zeigt auf, dass die ökonomischen Ressourcen und der Rechtsstatus die nationale Bindung und kulturellen Praktiken von Mexikaner/innen bestimmen. Sarabia interviewte zwischen 2009 und 2010 insgesamt 47 in Mexicali lebende Mexikaner/innen.

Sie hat die Interviewteilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt, welche sie vergleicht: Die Arbeiterklasse, welche kein Visum hat, lebte über eine längere Zeit in den USA und wurde danach entweder nach Mexiko deportiert oder sind freiwillig in ihr rechtliches Heimatland (zurück-) gekommen (17 Befragte). Die Mittelklasse sind Mexikaner/innen, welche ein US-Visum haben und uneingeschränkt aber temporär in die USA einreisen dürfen (30 Befragte). Für den Vergleich definiert Sarabia, dass diejenigen Mexikaner/innen, welche aus den USA nach Mexiko zurückgekommen sind, eine transnationale Staatsbürgerschaft annehmen und diejenigen, die mittels Touristenvisum über die Grenze gehen dürfen, aber nie in den USA gelebt haben, eine Grenzüberschreitende Staatsbürgerschaft annehmen. Dies begründet Sarabia, indem sie erklärt, dass die Bürger/innen der Mittelklasse regelmässig über die Grenze gehen, um beispielsweise zu arbeiten oder einzukaufen. Diese Menschen haben zwar einen Bezug zu den USA, jedoch ist ihr Interesse am Land gering, da sie in Mexiko sozialisiert sind und sich in Mexicali “zu Hause” fühlen. Im Gegensatz haben Menschen mit einer transnationalen Staatsbürgerschaft ihre Sozialisierung in den USA erlebt und fühlen sich in Mexiko fremd, sie können sich teilweise weder mit der Sprache noch mit der mexikanischen Kultur identifizieren. Diese Menschen, auch Rückkehrer genannt, fühlen sich in Mexicali entwurzelt und identifizieren sich stärker mit amerikanischen Werten.

Sarabia unterscheidet zwischen der Arbeiterklasse und Mittelklasse und definiert diese, als diejenigen, welche ein Visum besitzen bzw. kein Visum besitzen. Es ist fragwürdig, ob die Einteilung korrekt ist, denn in den Interviews bezeichnen sich 35% der Rückkehrer als Mittelklasse oder sogar als obere Mittelklasse und 27% der Grenzüberschreitenden als Arbeiterklasse.

Fakt ist, dass eine grosse soziale Ungleichheit zwischen den beiden Klassen besteht. Es wäre spannend zu wissen, ob die Grenzüberschreitenden sich der Lage der transnationalen Menschen bewusst sind, und ihnen “helfen”, indem sie beispielsweise günstige amerikanische Produkte importieren und diese in Mexicali verkaufen.

Mit der Methode, welche Sarabia gewählt hat, nimmt sie die Lesenden mit nach Mexicali. Die Zitate der Befragten lassen den Artikel glaubhafter und eindrucksvoller wirken. Die Lesenden können sich, wie in den Gedichten aus “Borderlands/La Frontera” von Gloria Anzaldúa, in die jeweiligen Personen hineinversetzen (1987). Die Grenzmauer zwischen Mexiko und den USA wird nicht mehr nur als „La Frontera“ betrachtet, sondern als ein machtvolles Konstrukt, das über Freiheit im Leben entscheidet. Sarabia wiederholt sich mehrmals, was dem Lesenden den Eindruck gibt, dass sie in ihrer Forschung weniger als erhofft herausgefunden hat. Durch den abwechselnden Vergleich zwischen grenzüberschreitenden und transnationalen Menschen, wird die grosse Disparität ersichtlich.

 

 

Literaturverzeichnis

Anzaldúa, Gloria (1987). Borderlands/La Frontera. San Francisco: Spinsters /Aunt Lute Press.

Heidy Sarabia PhD. Global inequality & immigration scholar:

<http://heidysarabia.com/&gt; (Stand:2018) (Zugriff: 05.11.2018).

Sarabia, Heidy (2016). Borderland attachments: citizenship and belonging along the US–Mexico border. Citizenship Studies, 20(3-4), 342-358.

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