Die andere Welt

Es ist Donnerstagmorgen, das vollgestopfte Postauto fährt die Längassstrasse hoch. Im Blickfeld zehn Personen, neun davon starren auf einen kleinen Display. Ein Smartphone. Die Frau neben mir hört laute Musik auf ihrem IPod, zwischen den immer schneller werdenden Bässen rappt ein Mann auf französisch. Ein Blick nach oben, ein flacher Bildschirm auf dem sich Neuigkeiten aus aller Welt im 30 Sekundentakt mit Werbung abwechselt. Die meisten Fahrgäste befinden sich psychisch fernab der Realität in einer virtuellen (digitalen) Welt, und doch sitzen oder stehen alle physisch im Raum des Postautos. Was für Konsequenzen hat das für eine Gesellschaft, wenn die Psyche und die Physis ihrer Mitglieder/innen ständig räumlich getrennt sind? Die Gesellschaft hat bereits wahrgenommen, dass diese Trennung zu einer Unachtsamkeit führt und somit zu einer Abnahme des Wohlbefindens. Die Digitalisierung zwingt die Gesellschaft auf neue Phänomene wie Burnouts und Sucht zu reagieren. Dies wird beispielsweise an den steigenden Angeboten der Achtsamkeitstrainings deutlich.
Die Lehre ist heute unvorstellbar ohne die digitalen Räume. Ilias, ein virtueller Raum an dem sich die Universität Bern trifft um Wissen auszutauschen. Mails werden als die Kommunikation zwischen Dozierenden und Studierenden betrachtet. Bei Gruppenarbeiten wird auf Google Drive oder ähnlichen Plattformen gearbeitet, bei denen alle Mitglieder zu der gleichen Zeit an einem anderen Ort arbeiten können und dabei wird nach jeder Änderung die Arbeit in den Clouds neu gespeichert. Jedoch begleitet oder vielleicht eher beherrscht uns der digitale Raum auch im Privatleben. Nach dem online Shopping auf Zalando oder tutti.ch, bezahlen wir virtuell im Raum des E-Bankings. Trotzdem halten wir uns nicht in jedem digitalen Raum auf, sondern nur in denjenigen, welche mit unseren Werten übereinstimmen. Wobei dies etwas kontrovers ist denn wir sind beispielsweise Mitglieder bei Facebook, weil wir uns dort über kulturelle Veranstaltungen informieren. Trotzdem hat Facebook Inhalte, die wir nicht besuchen, oder liken, weil diese nicht mit unseren Wertvorstellungen korrelieren. Es kommt uns so vor, wie jeder digitale Raum eine kleine Welt für sich ist, die aber immer in Wechselwirkung mit der Realität steht. In diesen kleinen Welten meiden wir virtuelle Orte oder Menschen, wie wir es auch in der Realität tun.
Whatsapp ist ein virtueller Raum, in dem wir viel Zeit verbringen. Dieser Raum ermöglicht eine einfache, schnelle und kostenlose Kommunikation mit unserem sozialen Umfeld, dass auf der ganzen Welt verteilt ist. Salomes Grossvater aus Costa Rica, ist nie zur Schule gegangen und ist daher Analphabet. Whatsapp hat erkannt, dass viele potenzielle Nutzer/innen da wären, die jedoch exkludiert werden. Whatsapp optimierte den eigenen Raum, indem sie Sprachmemos und Videochats ermöglichten. Seither kann auch der Grossvater mit der Familie in Europa kommunizieren. Die Digitalisierung verändert den Zugang zu Wissen und Kultur, da diese neu für jede Person die Internet hat, jederzeit abrufbar ist. Dies kann als Chance wahrgenommen werden, indem der globale Süden/Norden Zugang zu denselben virtuellen Räumen haben. Digitale Räume mit ihren Chancen und Gefahren sind ubiquitär und nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken.

Konstruierte Werte im Film Romeo und Julia

Romeo
Abbildung 1: Romeo und Julias erstes Treffen auf dem Ball der Capulets.

Romeo und Julia (Martinelli & Luhmann, 1996) ist ein amerikanischer Romantik-Krimi des Regisseurs Baz Luhmann. Der Film von 1996 ist eine Modernisierung von William Shakespeares gleichnamiger Tragödie. Die Hauptdarstellenden sind Leonardo Dicaprio als Romeo und Claire Danes als Julia. Der Film handelt von einem jungen Liebespaar, das aus verfeindeten Familien stammt. Aufgrund der Umstände halten Romeo und Julia ihre Liebe zunächst geheim. Durch eine Reihe von Kämpfen und Missgeschicken begehen sie schlussendlich gemeinsam Suizid, um im Tode für immer vereint zu sein. Ziel dieses Textes ist es, die Werte, welche in der Szene des ersten Treffens global transportiert werden, zu analysieren und hinterfragen.

Die Szene in der Abbildung 1 handelt vom ersten Treffen von Romeo und Julia an einem Ball bei Julias Familie. Noch in derselben Szene küssen sich die Beiden, bevor Julia von ihrem Kindermädchen hergerufen wird. Dies vermittelt, dass Julia noch nicht mündig ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Es erstaunt nicht, dass dieser Wert in den Vereinigten Staaten produziert wurde, wo Jugendliche erst mit 21 Jahren Volljährig sind und dadurch relativ lange von den Eltern bevormundet werden.

In der Szene erkennt man zudem wie die spezifischen Eigenschaften und Fähigkeiten von Romeo und Julia an ihrem Kleidungsstil festgemacht werden. Julias weisses Kleid impliziert die Unschuld und Reinheit des weiblichen Geschlechts. Diese Stereotypen werden mit den Engelsflügel auf ihrem Rücken zusätzlich verstärkt. Im Kontrast zu der zierlichen Julia ist Romeo als Kämpfer in einer robusten Ritterrüstung gekleidet. Der Mann wird hiermit als Symbol von Stärke, Kampfreudigkeit und Siegeswillen, verwendet. Diese Attribute werden in den später folgenden Strassenkämpfen zwischen den verfeindeten Familien der Capulets von Julia und der Montagues von Romeo mehrmals bestätigt. Der Druck ‚ein Mann zu sein‘ führt schliesslich dazu, dass Romeo den feindlichen Tybalt tötet. Die Strassenkämpfe wurden in Mexiko City gedreht, was global ein Image einer unzivilisierten, wilden und gefährlichen Stadt vermittelt.

Auch wenn die Verfilmung als Modernisierung des ursprünglichen Werkes gilt, werden insbesondere die Geschlechterrollen sehr konservativ dargestellt. Das männliche Geschlecht wird stark mit Gewalt und Härte in Verbindung gesetzt, wobei die Frau den unschuldigen, sanften Gegenpol bildet. Solche Stereotypen fliessen dadurch automatisch in das heutige Gesellschaftsbild von Männlichkeit und Weiblichkeit ein. Dies führt zu Vorurteilen und generalisierten Geschlechterrollen, welche dazu führen, dass Menschen nicht frei handeln können, da sie an die sozialen Normen ihres Geschlechts gebunden sind. Trotzdem ist der Film auch ein beispielhafter Vermittler von bedingungsloser Liebe, welche trotz allen Schwierigkeiten und sozialen Normen zwei verfeindete Familien vereint.

Literatur

Martinelli G. (Prod.) & Luhmann B. (Reg.) (1996): Romeo + Juliet (Film). USA: 20th Century Fox.

Abbildung

Abbildung 1: Martinelli G. (Prod.) & Luhmann B. (Reg.) (1996): Romeo + Juliet (Film). USA: 20th Century Fox. 

Shutter Island

Shutter Island ist ein US-amerikanischer Psychothriller, gedreht unter der Regie von Martin Scorsese. Der Film, welcher Mitte Februar 2010 den Kinostart feierte, basiert auf dem gleichnamigen, bereits 2003 veröffentlichten Roman von Dennis Lehane.

Der Protagonist, ein US-Marshal namens Edward «Teddy» Daniels wird zusammen mit seinem neuen Partner auf die Insel Shutter Island geschickt, um im Fall einer entflohenen Patientin aus einer psychiatrischen Anstalt zu ermitteln. Schlussendlich entpuppt sich der US-Marshal selbst als verrückter Mörder namens Andrew Laeddis. Er befindet sich bereits seit mehr als zwei Jahren in der Klinik Ashecliff, lebend in einer selbst erschaffenen Scheinrealität. Einer Scheinrealität, in welcher er immer noch ein US-Marshal ist und zu wissen glaubt, dass in der psychiatrischen Anstalt verbotene Experimente an Patienten durchgeführt werden. Durch ein aufwändiges Rollenspiel versuchen die Ärzte ihn davon zu überzeugen, dass er sich seine Realität lediglich einbildet, um die traumatischen Ereignisse seiner Vergangenheit zu leugnen. Andrew Laeddis erinnert sich daran was er getan hat und weshalb er ständig von Albträumen und Halluzinationen heimgesucht wird. Der Leiter der Anstalt erklärt, dass Andrew Laeddis bereits neun Monate davor dieses Stadium der Einsicht erreicht habe, dann allerdings wieder einen Rückfall in die Scheinrealität hatte. Dies ist die letzte Chance für Laeddis die wahre Realität zu akzeptieren, ansonsten droht ihm ein chirurgischer Eingriff in sein Gehirn namens Lobotomie. Eine Operation, bei welcher Erinnerungen gelöscht werden, der Patient abgestumpft und emotionslos gemacht wird.

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Unsere Szene befindet sich am Ende des Films nach dem letzten Gespräch zwischen dem Anstaltsleiter und Laeddis. Laeddis tritt am Morgen aus der Tür heraus und setzt sich auf die Treppe. Daneben nimmt sein behandelnder Arzt Dr. Sheehan Platz. Während des Dialogs zwischen den beiden wird klar, dass Laeddis erneut einen Rückfall hatte, da er Dr. Sheehan als seinen erfundenen neuen Partner anspricht. Mit dem Eindruck, Laeddis sei wieder in seine Scheinrealität und seine erfundene Identität gefallen, gibt Dr. Sheehan dem Leiter der Anstalt ein Zeichen. Als sich die Pfleger nähern, um Laeddis für die Lobotomie abzuführen, wendet dieser sich mit seinen letzten Worten an Dr. Sheehan: «this place makes me wonder, which would be worse – to live as a monster, or to die as a good man?»

Diese letzte Szene lässt uns vermuten, dass Laeddis keinen Rückfall hatte. Er wollte lediglich nicht länger als Monster leben, sondern als guter Mensch sterben.

Die Szene widerspiegelt Werte wie Reue, Einsicht, Schuld und Verzweiflung. Die Unmöglichkeit sich selbst zu vergeben und lieber den Freitod zu wählen ist in unserer heutigen Welt immer noch ein stark tabuisiertes Thema. Mit der bevorstehenden Lobotomie stellt sich auch die Frage über den Umgang mit Menschen, die nicht nach Werten und Normen unserer Gesellschaft handeln. Wie verfährt man mit psychisch labilen Menschen? Wie viel ist das Leben eines «Verrückten» wert? Ab welchem Punkt soll man mit dem Versuch aufhören, diese in unsere Gesellschaft integrieren zu wollen? Auch die Projektion von Werten, die Scheinrealität von Laeddis in welcher ER der Gute war stellt uns die Frage: Sehen wir nicht alle nur das, was wir sehen möchten?

Quellenverzeichnis:
Film: Scorsese, M. (Regisseur). (2010). Shutter Island [Kinofilm].
Szene: https://www.youtube.com/watch?v=Z_0TQHoV_2I

Sam Louis & Marius Eller

Les Intouchables

Der französische Film «Les Intouchables» wurde im Jahr 2011 veröffentlicht. Die Regie führten Olivier Nakache und Éric Toledano. Im Film geht es um die Freundschaft zwischen einem reichen, querschnittsgelähmten Geschäftsführer namens Phillipe und seinem senegalesischen Pfleger Driss. Am Anfang des Filmes sucht der gelähmte Philippe einen neuen Pfleger. Dabei stellt er den arbeitslosen und vorbestraften Driss ein, der den Job eigentlich gar nicht will. Im Verlaufe des Films wird Driss mit dem Alltag von Phillipe konfrontiert und lernt eine neue Welt kennen. Es entsteht eine enge Freundschaft zwischen den beiden.
Unsere ausgewählte Szene zeigt gut das Verhältnis zwischen den beiden. Der Filmausschnitt spielt in einem Kunsthaus, wo Phillipe ein Gemälde kaufen will. Als die Verkäuferin den Preis bekannt gibt, ist Driss schockiert. Dass Phillipe sich dann entscheidet das Bild zu kaufen, versteht er überhaupt nicht. Daraufhin verlangt Phillipe von Driss ein Stück Schokolade, die er während dieser Szene isst. Dieser will ihm aber keine geben und macht sich stattdessen über ihn lustig. Phillipe findet das zuerst überhaupt nicht witzig. Die Szene endet damit, dass Driss ihm dann doch ein Schmunzeln mit seinem herzhaften Lachen entreissen kann.

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Abbildung 1: Driss und Philippe im Kunsthaus 

In dieser Szene sieht man die unterschiedlichen Ansichten und Werte der beiden Protagonisten. Driss sieht das Bild nur auf materieller Ebene und versteht daher nicht, weshalb es so viel kostet. Für Phillipe hingegen hat das Bild einen emotionalen Wert und er findet den Preis gerechtfertigt. Wie man bei der Diskussion um das Bild sieht, legt Driss mehr Wert auf die materiellen Dinge im Leben, von welchen Phillipe zur Genüge hat. Deshalb realisiert er auch nicht, dass ein Körper unbezahlbar ist und macht daher häufig Witze über Phillipe und zeigt nicht viel Mitleid. In der Szene beispielsweise macht sich Driss lustig darüber das Phillipe Schokolade von ihm möchte, durch seine Lähmung aber keine Möglichkeit hat, sich welche zu nehmen. «Keine Arme, Keine Schokolade», sagt Driss immer wieder und lacht dabei. Driss zeigt also nicht wie die anderen Pfleger Mitgefühl, sondern begegnet Phillipe auf gleicher Augenhöhe. Er sieht ihn als Menschen und nicht als Behinderten oder Pflegeobjekt.
Hier sieht man auch gut das Abhängigkeitsverhältnis der beiden. Nicht nur Driss ist von seinem Arbeitsgeber abhängig, sondern auch umgekehrt ist Phillipe auf Driss angewiesen, der ihm das Gefühl gibt, Mensch zu sein. Zu Beginn des Filmes ist Phillipe sehr niedergeschlagen, wenn nicht sogar depressiv. Dies ändert sich nach der Begegnung mit Driss. Sie werden gute Freunde und sind am Ende des Films auch auf emotionaler Ebene voneinander abhängig.

Der Film und besonders diese Szene zeigen, dass man auf viele verschiedene Arten reich sein kann. Philippe ist reich an Geld, Driss ist reich an einem gesunden und starken Körper, einem wachen Geist und viel Lebensfreude. Der Film vermittelt also, dass Reichtum allein nicht reicht, um glücklich zu sein. Soziale Kontakte und Freunde sowie ein gesunder Körper sind genauso wichtig. Phillipe gewinnt dank Driss wieder Freude am Leben, obwohl sein Körper nicht geheilt werden kann.

 

Quellenverzeichnis:

Nakache, Oliver, Toledano, Éric (2011): Les Intouchables.

Youtube: Les Intouchables Painting Scene https://www.youtube.com/watch?v=yrr_sn8f_BE. (Zugriff: 22.11.18)

Never Let Me Go

«Never Let Me Go» ist ein im Jahre 2010 erschienener Film von Mark Romanek, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Kazou Ishiguro.

Never let me go

Die Szene zeigt Ruth, einen menschlichen Klon, der tot auf einem Operationstisch liegt. Ruth ist einer von vielen Klonen, dessen Existenzsinn nur darin besteht, seine Organe zu spenden. Die Organe kommen ihrer besitzhabenden Person zu Gute, die ihr eigenes Leben zu verlängern hofft. Der Filmausschnitt zeigt, wie Ruth nach ihrer dritten Spende stirbt, was im Film «Vollendung» genannt wird.
Anschliessend werden zwei weitere Klone namens Tommy und Kathy gezeigt, welche aufgrund eines Gerüchtes hoffen, die Möglichkeit auf ein normales Leben zu erhalten. Diese Möglichkeit wird ihnen jedoch verweigert. Ihre frühere Vorgesetzte erzählte ihnen, dass sie beweisen wollte, dass sie ebenfalls eine Seele hätten. Doch die Menschen wollten dies nicht wahrhaben.

Die Szene vermittelt eine zweideutige Sichtweise auf den Wert eines menschlichen Lebens. Das Leben wird als sehr kostbar dargestellt, denn es scheint, als wäre dessen Verlängerung ein zentrales Anliegen für die Menschen, das um jeden Preis durchgeführt werden kann. Auch wenn dies bedeutet einen Klon zu beschaffen, dessen Organe dazu dienen das eigene Leben zu verlängern. Gleichzeitig aber scheint das Leben eines Klons keinen Wert, abgesehen von dessen Organen, zu besitzen. Es spielt keine Rolle, was der Klon für Gefühle, Visionen, Hoffnungen und Ängste hat. Seine einzige Lebensaufgabe besteht darin, seine Organe zu spenden und folglich dafür zu sterben.

Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt moralisch vertretbar ist, Klone zu erschaffen und inwiefern sich ein solches Leben von einem «normalen» menschlichen Leben unterschiedet. Eine weitere Frage ist, ob diese als «Produkt» für lebensverlängernde Massnahmen des eigenen Lebens gebraucht werden dürfen. Doch wer bestimmt diese Antworten?

Die Tatsache, dass die Menschen im Film die Klone als nicht-gleichwertige Individuen betrachten wollen, zeigt eine sozial konstruierte Hierarchie zwischen Menschen und Klonen, die ihr Vorgehen legitimieren soll. Dies erinnert an die nationalsozialistische Rassenlehre, die eine genetische Überlegenheit einer Rasse suggerierte und von Hitler genutzt wurde, um seinen Feldzug gegen Menschen jüdischen Glaubens zu rechtfertigen.
Weiter wird in der Filmszene gezeigt, dass Kathy und Tommy durch ein Gerücht neue Hoffnung auf ein normales, «menschliches» Leben fassen. Wenn ein Klon Hoffen kann, dann ist er in der Lage Emotionen zu empfinden. Lassen ihn diese Emotionen nicht doch zu einem Menschen mit den gleichen Rechten werden; zum Beispiel dem Recht auf Leben?

Der Wunsch nach dem ewigen Leben scheint die Gesellschaft seit Beginn der Menschheit zu begleiten, sei es mit der Suche nach dem heiligen Gral oder der Erschaffung ersetzbarer Organe. Glücklicherweise stellt der Film ein fiktives Szenario dar und das Erschaffen eines menschlichen Klons ist derzeit (noch) nicht möglich und in fast allen Ländern der Welt verboten. Doch mit dem Fortschreiten der wissenschaftlichen Technologien und Kenntnissen in diesem Bereich, ist nicht auszuschliessen, dass solche Vorhaben in der Zukunft theoretisch, beziehungsweise technisch möglich werden. Somit liegt es an der Gesellschaft und schliesslich an der Politik, klare Regeln und Grenzen festzulegen, um zu bestimmen was moralisch vertretbar ist.

 

(Elias Frey, Ladina Gaudy)

 

 

Film:

Romanek, M. (2010). Never let me go. USA, United Kingdom.

 

Pretty Woman (1990)

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Abbildung 1: Film-Still aus „Pretty Woman“: Edward und Vivian lassen sich in einem Kleidergeschäft beraten (Allociné).

Der Film „Pretty Woman“ ist ein amerikanischer Film aus dem Jahr 1990. Regie führte Garry Marshal. Der Film handelt von einer Begegnung zwischen Vivian, einer Sexarbeiterin, und Edward, einem reichen Geschäftsmann. Eigentlich wollte Edward Vivian nur nach einer Wegbeschreibung fragen, aber schlussendlich bezahlt er sie dafür, dass sie ihn eine Woche lang auf verschiedene Business-Treffen begleitet. Vivian entdeckt die Welt von Edward, die sie überhaupt nicht kennt und deren Sitten und Gepflogenheiten sie erst noch lernen muss. Der Film zeigt das Zusammenleben dieser zwei Personen, die aus sehr unterschiedlichen sozialen Klassen stammen.

Die von uns ausgewählte Szene (von 1:01:15 bis 1:04:15) handelt davon, wie Vivian und Edward zusammen Kleider für Vivian einkaufen gehen. Am Tag zuvor war Vivian allein gegangen und wurde aus einem Luxuskleiderladen wieder hinausgeschickt, weil ihre Kleidung sie als Sexarbeiterin identifizierbar machte. Nachdem Edward klar gemacht hat, dass er viel Geld ausgeben wird, bedienen die Angestellten Vivian.

Die Szene macht eine Ungleichstellung der Geschlechter dar. Der Verkäufer spricht nur mit Edward und Vivian wird zu einem gewissen Grad objektiviziert, indem Edward den Verkäufer fragt, ob er etwas so schönes im Laden habe wie sie. Dieser antwortet, das hätte er auf jeden Fall, und er korrigiert sich erst nachdem er Edward Miene sieht. Vivian wird auch nicht einfach als Frau und Kundin betrachtet, sondern entweder über Edward, der sie begleitet, oder über ihre Kleidung und somit ihre berufliche Situation. Zudem tragen die Bildausschnitte und die Musik zur Sexualisierung bei, während Vivian sich umkleidet.

Anderseits wird in der Szene die Wichtigkeit von Geld stark betont. Der Verkäufer wird freundlicher, als Edward sagt, dass er viel Geld ausgeben wird. Nur durch das zugesicherte Geld erhält Vivian Aufmerksamkeit von den Angestellten und Edward muss betonen, dass Vivian seine Kreditkarte hat, als er den Laden frühzeitig verlässt. Dass Edward auch während des Einkaufens das Arbeiten nicht ruhen lassen kann, zeigt, wie er sich das Geld erarbeitet, während Vivian nicht als arbeitend dargestellt wird, sondern es geniesst die neuen Kleider anzuprobieren. Sie wird im Reichtum, der sie umgibt, fröhlicher dargestellt, als vorher. Dies vermittelt, dass Geld glücklich mache.

Die Geschlechterrollen sind in diesem Film stark stereotypisiert dargestellt. Dass im Film der bessergestellte Mann und die weniger gut gestellte Frau aufeinander treffen und er ihr ein besseres Leben ermöglicht, reproduziert die Ungleichheit zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft. Dazu tragen auch die Sexualisierung und Objektifizierung der Frau bei. Der Film reproduziert Werte der kapitalistischen Gesellschaft, insbesondere, dass Konsum und Geld glücklich machen und stellt gute Arbeit als Arbeit im Büro dar. Obwohl der Film „Pretty Woman“  schon bald 30 Jahre alt ist, sind diese Themen in der Gesellschaft immer noch aktuell.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Allociné, Pretty Woman. Abgerufen am 20.11.2018 unter http://www.allocine.fr/film/fichefilm_gen_cfilm=6200.html

American History X

AMERICAN HISTORY X

American History X erschien im Jahre 1998 unter der Regie von Tony Kaye (ImdB). Der Film handelt von Derek Vinyard, einem ehemals neonazistisch ausgerichteten Skinhead, der durch seinen Aufenthalt im Gefängnis einen Wandel in seiner Gesinnung erfuhr und dessen Bruder Danny in dieselbe Szene abzudriften droht.

Die gewählte Szene zeigt ein Basketballspiel in Venice Beach, wo es zu Auseinandersetzungen zwischen den Mannschaften kommt. Ein Gang-Mitglied von Derek schliesst eine Wette mit einem Schwarzen ab. Der Gewinner soll 100 Dollar gewinnen. Jedoch ist der Kumpel nicht in der Lage das Geld selber aufzubringen und fragt Derek um Hilfe. Dieser ändert die Wette um. Er verlangt, dass rassengetrennt gespielt wird und der Verlierer den Platz für immer verlassen muss. Am Ende des Spiels gewinnen die Skinheads, die euphorisch den Sieg feiern. Die Gegner räumen daraufhin den Platz.

Die Feindseligkeit wird dadurch stark spürbar gemacht, dass vulgäre und diskriminierende Ausdrücke von beiden Seiten ausgehen. Der Hass beruht auf Gegenseitigkeit und artet sogar in körperlicher Gewalt aus. Die Trennlinie wird verstärkt, indem in rassengetrennten Mannschaften gespielt wird. Der Hass bildet ein stark verbindendes Kollektiv, was sichtbar wird als das Spiel vorbei war.

Rassismus ist das zentrale Element der Szene und zeigt was für ein gewalttätiges Ausmass Rassenhass in einer simplen Freizeitaktivität annehmen kann. Menschen handeln und agieren rein auf der emotionalen Ebene, welche auf der Gang-Ideologie beruht. Die rationale Denkweise wird komplett ausgeschaltet. Durch das Gang-Leben erhalten die Mitglieder Zugehörigkeit und Identität, die ihnen im sonstigen Alltag fehlen. Ein öffentlicher Platz wird als Eigentum beansprucht, dies führt zu einer Machtausübung und Hierarchisierung. Diese Segregation erinnert an die Kolonialzeit und vermittelt, dass die Weisse Bevölkerung über die Andere dominieren kann. Der Ursprung von Fremdenhass und Rassismus ist oftmals von unserem Umfeld und der Familie geprägt. Dadurch entsteht eine Liebe für das Eigene und ein Hass gegenüber dem Fremden. Diese Emotionen führen zur Furcht vor Überfremdung. Hass und Gewalt erzeugen Zerstörung in Hinblick darauf, dass Menschen das Recht auf Freiheit entzogen wird. Die dabei ausgeübte Gewalt mündet in Gegengewalt, was zu einem Teufelskreis führt. Der Film besteht aus schwarzweissen und farbigen Szenen. Farbig steht für die Gegenwart, in Schwarzweiss wird die Vergangenheit dargestellt. Die Farbtrennung stellt jedoch nicht nur eine zeitliche Unterscheidung dar, sondern zeigt auch die Trennung zwischen Gut und Böse in Bezug zu Dereks Entwicklung.

Emotionen beeinflussen das Verhalten der Menschen. Dieses Verhalten ist oftmals erlernt und anerzogen. So ist es auch bei Derek, dem die Auffassungen von seinem Vater eingetrichtert wurden. Da es aber nur erlernt ist, ist das Verhalten nicht vorprogrammiert und es besteht die Möglichkeit Verhaltensmuster zu verändern. Gute Absichten alleine reichen jedoch nicht aus, es braucht ein grundlegendes Umdenken betreffend Ethnien. Das Verlangen nach Identität, Zugehörigkeit und Gemeinschaft wird in der heutigen Gesellschaft im Zuge der Globalisierung verstärkt. Das birgt die Gefahr, dass neonazistische Denkweisen wiederaufkommen.

Autoren: Vanessa Wyer und Adriana Holzer

 

Quellen

IMDb: American History X: https://www.imdb.com/title/tt0120586/ (Zugriff: 21. Nov. 2018)

Bild: Vice: https://www.vice.com/en_us/article/qbe5zd/how-american-history-x-made-me-the-man-i-am-today-437 (Zugriff: 21. Nov. 2018)

 

Arrival

Die von uns ausgewählte Szene (1:19 bis 1:24) ist aus dem Hollywood Film “Arrival” (2016) vom Regisseur Denis Villeneuve. In der Rahmenhandlung geht es um die Landung von zwölf Raumschiffen auf der Erde und den Versuch der Menschheit sich mit ihnen verständigen zu können, sowie ihren Aufenthaltsgrund herauszufinden.  Dr. Lousie Banks, eine Amerikanische Linguistin, gelingt es mit den Ausserirdischen in ihrer zeichenbasierten Sprache zu kommunizieren. Als sie ein Zeichen mit “Waffe geben” übersetzt, bekommen die anderen Länder, vor allem China, das Gefühl, dass die Aliens eine Bedrohung darstellen und dass die Menschheit sie vertreiben muss. Dort setzt unsere Szene an. Die Ausserirdischen haben kommuniziert, dass die Nachricht, welche Dr. Banks erhalten hat, ein Teil eines grösseren Ganzen ist und die Menschheit miteinander kommunizieren soll, sodass alle Teile der gesamten Menschheit zur Verfügung stehen. Da jedoch die Nachricht mit “Waffe geben” übersetzt wurde, möchte keine Nation seinen Teil der Nachricht an eine andere geben, da niemand dadurch einen Vorteil dieser “Waffe” erhalten soll.

Im ganzen Film ist Kommunikation ein zentraler Wert. Einerseits die Herstellung von Kommunikation mit den Aliens, andererseits das Kommunizieren der Menschheit miteinander. In dieser Szene werden diese zwei Aspekte miteinander verbunden. Aufgrund einer Fehlübersetzung entsteht ein globaler Konflikt welcher beinahe in einem Weltkrieg endet. Kommunikation spielt die Rolle des Entscheidungsträgers über Krieg oder Frieden, Zusammenarbeit oder Feindschaft der Menschheit. Die Zuschauenden erhalten den Eindruck der weisen, friedlichen Aliens und als Kontrast den der kommunikationsunfähigen, kriegerischen Menschen. Besonders sichtbar im Screenshot ist die Unfähigkeit der verschiedenen Ländern, trotz gemeinsamen Herausforderungen miteinander zu arbeiten: alle sind disconnected von der Videokonferenz. Auch wenn der chinesische Präsident (1:19:20) einen gemeinsamen Feind erwähnt und alle anderen fragt, mit ihm in den Krieg zu ziehen, versucht er nicht, internationale Gespräche zu fördern. Im Gegenteil, China bleibt von der Videokonferenz abgeschaltet. Interessant dabei ist, dass China mit dieser Entscheidung als “die Bösen” dargestellt wird, was eine stereotypische Darstellung Chinas in amerikanischen Filmen widerspiegelt.

Die Wissenschaft, repräsentiert durch Dr. Banks (Linguistik) und Ian Donelly (Physik), fungiert als ‘Transmitter’ zwischen Ausserirdischen und Menschen. Ihnen gelingt es durch hartnäckiger Nachforschung den drohenden Konflikt im letzten Moment abzuwenden, indem Dr. Banks herausfindet, dass ‘Waffe’ auch mit ‘Geschenk’ übersetzt werden kann. Dies zeigt, dass die ganze Gesellschaft von wissenschaftlichen Erkenntnissen beeinflussbar ist. Eine andere Übersetzung hätte ein anderes Handeln der Menschen ausgelöst und die internationalen Beziehungen auf eine andere Art und Weise verändert. So kann den Krieg dank ihr vermieden werden, indem sie eine private Konversation mit dem chinesischen Präsident führt, welche seine Meinung drastisch verändert. Es kommt zum internationalen Frieden und gemeinsamen Diskurs. Ausserdem hat die Wissenschaft eine ambivalente Rolle. Einerseits wird das Missverständnis durch die Wissenschaft ausgelöst, andererseits ein Krieg durch sie abgewendet.

Der Film zeigt auf, wie aus einem kleinen Missverständnis eine globale Krise entstehen kann. Die Entscheidungsträger der Nationen unterschätzen die Wissenschaft und übergehen sie bei ihrer Entscheidungsfindung, obwohl sie am Ende den Schlüssel zum Frieden liefert.

Quellen

Film sowie Screenshot (bei ca. 1:20:20): Arrival (2016). Directed by Denis Villeneuve. <https://www.netflix.com/watch/80117799?trackId=13752289&tctx=0%2C0%2C5fda8786b0b744bf360bdb26d066c7f7dc027376%3Ace54d5cf42857a4d880894556ed1bad8900608b1%2C%2C&gt; (Zugriff am 21.11.2018)

Liebe kennt keine Grenzen

Der im Jahr 2009 erschienene Film «AVATAR – Aufbruch nach Pandora», von James Cameron, handelt von einem querschnittsgelähmten Marine, der auf eine einzigartige Mission auf den Planeten Pandora geschickt wurde. In all seinen Handlungen ist der Marine Jake hin und her gerissen, zwischen der Befolgung seiner Befehle und dem Schutz derjenigen Welt, die er für seine Heimat hält.

Die hier in diesem Blog ausgewählte Filmszene spielt sich am Ende des Filmes ab. In dieser Szene kommen ausschliesslich die beiden Hauptpersonen Jake Sully und Neytiri vor. Jake ist ein querschnittgelähmter Marine, der ausgewählt wurde, durch eine Kapsel mit Hilfe eines künstlich hergestellten Körpers (Avatare) Kontakt mit den Ureinwohnern aufzunehmen. Neytiri ist eine Ureinwohnerin von Pandora. Sie trifft während des Filmes auf Jake und versteht sich immer besser mit ihm und die beiden verlieben sich nach und nach ineinander.

Nach einer Auseinandersetzung zwischen den Menschen der Erde und den Einwohnern von Pandora, versucht Neytiri Jake zu retten. Die beiden haben während des Filmes eine innige Beziehung aufgebaut, obwohl sie nicht von derselben Rasse stammen. Ursprung dieser Schlüsselszene bildet der Mordversuch von Neytiri gegen Jake, jedoch entschied sie sich gegen den Tod von ihrem Geliebten. Nach der Schlacht wurde Jake jedoch aus seiner Kapsel gerissen und er wurde ohnmächtig, weil Menschen auf dem Planeten Pandora nicht atmen können. Neytiri spürte jedoch die Verbindung zwischen ihr und Jake. Deshalb rettete sie Jake mit einer Sauerstoffmaske. Nachdem Jake wieder bei Bewusstsein war, sahen sich die beiden in die Augen und sagten «I see you!» (Deutsch: «Ich sehe dich!»).

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Abbildung 1: Screenshot “Neytiri finally meets Human Jake Sully” (Quelle: YouTube)

Grundsätzlich verachten die Ureinwohner von Pandora die Menschen der Erde. Dies würde auch bedeuten, dass Neytiri keine Beziehung zum Charakter Jake aufbauen könnte. Die ausgewählte Szene zeigt jedoch, dass sich Neytiri in den Charakter von Jake verliebt hat. Durch diese Handlung könnte aufgezeigt werden, dass eine Vermischung von Kulturen durchaus akzeptiert werden kann. Denn wenn sich zwei Menschen lieben, sollten Herkunft und Aussehen keine Grenzen für die Liebe sein. Diese Sichtweise wird unserer Meinung nach durch einen weiteren entscheidenden Punkt untermauert. Als Jake wieder bei Bewusstsein ist, schauen sich die beiden lediglich in die Augen. Neytiri konzentriert sich keineswegs auf den Körper von Jake. Das bedeutet, dass die Liebe zum Charakter von Jake überwiegt.

Die drei einzigen Wörter, die sich die beiden zu sagen haben, sind «I see you». Dies ist in der Sprache der Ureinwohner von Pandora ein neutraler Gruss, um jemanden ein positives Gefühl über das Treffen auszusprechen. Für Jake bedeuten diese Worte jedoch, dass er sie auch ohne künstlichen Körper sehen kann. Die gleichen Worte mit unterschiedlichen Bedeutungen, weisen darauf hin, dass alle Lebewesen in irgendeiner Art miteinander verbunden sind.

Damit wird ersichtlich, dass auch nur aus einem kurzen Filmausschnitt von einem 170 minütigen Hollywood Film wichtige Kernbotschaften interpretiert werden können.

Quellenverzeichnis

Dey Arunava (2010): Best Scene from Avatar – Neytiri finally meets Human Jake Sully HD, [Online] https://www.youtube.com/watch?v=J-X0HPtQjlM&feature=youtu.be [20.11.2018].

Autoren: Sandro Thom und Elias Lenherr