Ciudad Juárez: A Perfect Storm on the US–Mexico Border

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Eine alltägliche Szene: aus einem Auto heraus ist dieser Mann vor kurzem in Ciudad Juárez erschossen worden. (Ehringfeld, 2010) 

Der Autor Dr. Tony Payan ist Dozent an der Universidad Autónoma de Ciudad Juárez und ehemaliger Präsident der Association of Borderland Studies. Sein Forschungsgebiet sind internationale Beziehungen mit Schwerpunkt US-Mexiko-Beziehungen, border issues und Grenzforschung. Diese Rezension bezieht sich auf seinen Artikel “A Perfect Storm on the US–Mexico Border” aus dem Journal of Borderland Studys (Rice University’s Baker Institute for Public Policy, o.J.).

Die Grenzstadt Ciudad Juárez, früher eine schnell wachsende Industriestadt, wurde schrittweise zum Ort beispielloser Gewalt. 2010 bekam sie wegen der enorm hohen Mordrate sogar den Spitznamen als „gefährlichste Stadt der Welt“. Payan erörtert den die Problematik der Stadt mittels qualitativer Feldforschung wie Beobachtungen, improvisierten Gesprächen, Fotografien und Bildanalysen. Er argumentiert, dass quantitative Erfassungsmethoden zu kurz greifen würden, um die komplexen Zusammenhänge zu erklären, welche schlussendlich zum sozioökonomischen Zusammenbruch der Grenzstadt geführt haben. Diesen rekonstruiert  er im Artikel, indem er ihn als Resultat einer Serie ungünstiger Entscheidungen darstellt. Dabei ist die Landesgrenze zur USA die wichtigste kontextabhängige Variable, da diese die Entscheidungen der Stadtführung massgeblich beeinflusst hat. Durch jede Entscheidung limitiere oder erweitere eine Stadt ihre Möglichkeiten und Flexibilität, mit langsamen aber auch mit rapiden Veränderung umzugehen. Ciudad Juárez ist eine Stadt, welche sich wegen ihrem Grenz-orientierten Wirtschaftsmodell zunehmend selber begrenzt, auf externe Schocks zu reagieren (Payan 2014).

Payan nähert sich dem Phänomen Ciudad Juárez mit einem holistischen Zugang, der die Betrachtung der Stadt als Ganzes möglich macht. In seinem Artikel zeigt er klar auf, wie und warum Entscheidungen gefällt wurden, was entscheidende Wendepunkte der Entwicklungen verständlich macht. Längerfristige Muster der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Faktoren werden anschaulich analysiert und erklärt, in dem er die aktuelle Situation in einen grösseren Kontext einbettet. Die Vor- und Nachteile des grenznahen Standortes von Ciudad Juárez werden verständlich aufgezeigt. Dadurch wird der Zusammenhang von internen und externen Faktoren klar und es wird verdeutlicht wie die Finanzkrise 2008 zu dem Kollaps der Stadt beitrug. Kritisch anzumerken ist die teilweise mangelnde Transparenz in der Vorgehensweise und der genauen Methodik, mit welcher Payan seine Resultate erhielt.

Im Bezug auf den Artikel von Berndt (2012) zeigt Payan (2014) auf, dass die Stadt Ciudad Juárez sich selber durch ihren strikten Fokus auf die Wirtschaftsform der Maquila Fabriken Grenzen setzt. Einerseits was ihre Entwicklungsmöglichkeiten aber vor allem was ihre Flexibilität im Falle von Veränderungen angeht. Sie grenzen sich von anderen Wirtschaftsformen ab und dadurch selber ein. “Gewalt ist deshalb oft nicht die Ursache, sondern die Offenbarung der gesellschaftlichen Unfähigkeit, sich an neue Umstände anzupassen.» (Payan 2014)

Payan gelingt es mit diesem Artikel die Problematiken und Strukturen von Ciudad Juárez aufzuzeigen. Er erläutert sehr reflektiert und bettet die Thematik in einen grösseren Rahmen ein. Hierdurch erhält man einen aufschlussreichen, kompakten Einblick in die Auswirkungen der Wirtschaftsform der Maquila Fabriken an der Landesgrenze.

 

 

Literaturverzeichnis:

Berndt, Christian (2012). Maquiladora. In: Marquardt, Nadine, Verena Schreiber (Hg.).
Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart. Bielefeld: transcript. 185-191.

Payan, Tony (2014): Ciudad Juárez: A Perfect Storm on the US-Mexico Border. In: Journal of Borderland Studies, 2014, 29, 4, 435-447.

Rice University’s Baker Institute for Public Policy, (o.J.): Experts. https://www.bakerinstitute.org/experts/tony-payan/. (Zugriff: 05.11.2018).

Bildquellen:

Ehringfeld, Klaus (2010): Die Stadt der Mörder. In: Stuttgarter Zeitung. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.ciudad-ju-rez-mexiko-die-stadt-der-moerder.c6ae7d02-f993-4b1b-b5b6-8e4875ad0829.html (Zugriff: 05.11.2018)