Im Strom der Digitalisierung

Wir leben in einer digitalisierten Welt. Die Digitalisierung hat einen grossen Einfluss auf unser alltägliches Leben. Unser ganzer Tag wird von der neuen Technologie vorbestimmt und beeinflusst.

Morgens lesen wir WhatsApp-Nachrichten, checken die Einträge in den sozialen Medien und informieren uns über das Wetter. Auf dem Weg an die Universität nutzen wir Online-Nachrichtendienste und Musik Apps, wie Spotify oder YouTube. Auch unser universitärer Alltag ist geprägt durch digitale Hilfsmittel und Zugänge. Wir laden Folien und Texte von der Internetplattform der Universität herunter, informieren uns über anstehende Prüfungstermine und schicken uns gegenseitig Emails. Am Abend nutzen wir Zalando, um neue Kleider zu kaufen oder schauen uns auf Netflix einen Film an. Währenddessen konsultieren wir online ein Kochbuch, um unser Abendessen vorzubereiten. Vor dem Einschlafen werden erneut WhatsApp-Nachrichten beantwortet, um ja nichts zu verpassen.

Diese ganze digitale Entwicklung offenbart uns viele Möglichkeiten. Die sozialen Medien können dabei eine Plattform bieten, von der aus der freie Austausch von Nachrichten, Informationen und Bild-/Videomaterial unverbindlich und jederzeit stattfinden kann. Auch Universitäten nutzen den Zugang zu digitalen Räumen. Sei dies, um den Studierenden die Lehrmittel oder Bibliothekskataloge online zur Verfügung zu stellen oder auf Veranstaltungen hinzuweisen.

Die digitalen Räume können aber auch einen Einfluss auf reale Räume haben. Als Beispiel dient hierzu das klassische Modegeschäft: Durch das stark boomende Online-Shopping werden viele Kleider von zu Hause aus bestellt und gekauft. So betreten immer weniger Kunden den physischen Raum des Modegeschäfts (Emch, 2015). Auch die Kinos können immer weniger mit der Konkurrenz aus den Online-Streaming-Räumen mithalten. Dies führt zu einem starken Besucherrückgang und zur Schliessung von Sälen (Rehfeld, 2017).

DigitalisierungAbbildung: Abspaltung zwischen realem und digitalem Raum

Es deutet also immer mehr darauf hin, dass sich eine generelle Verlagerung vom realen zum digitalen Raum entwickelt. Davon können viele Werbeagenturen und Produkthersteller profitieren. Denn wer sich online aufhält, hinterlässt unbewusst seine Spuren. Diese können leicht zurückverfolgt werden, um so zum Beispiel personalisierte Werbung aufschalten zu können (Jung, 2018).

Das kann durchaus hilfreich sein, stimmt aber auch nachdenklich. Sind wir in digitalisierten Räumen überhaupt noch anonym oder waren wir es überhaupt jemals? Wer kann alles auf der anderen Seite der Verbindung mitlesen oder unsere Daten herausfiltern? Fragen zum Datenschutz sind nicht umsonst ein heiss diskutiertes Thema. Der Eintritt in die digitalisierte Welt ermöglicht grosse Freiheiten, gefährdet zugleich aber die Privatsphäre.

Eine weitere Schattenseite dieser Freiheit kann anhand des Online-Shoppings in der Bekleidungsindustrie gezeigt werden. Geschäfte aller Art werden mittlerweile fast gezwungen ihre Ware auch online anzubieten, um die Kundschaft zu erhalten. Die Bekleidungsketten stehen untereinander in grosser Konkurrenz und müssen sich den wachsenden Bedürfnissen der Kunden anpassen. Falls sie dies nicht tun oder die Konkurrenz es schneller und besser macht, verlieren die betroffenen Modeketten womöglich an Bedeutung und haben Mühe, die Kunden zu behalten. Es wird also erneut deutlich, dass sich eine klare Verschiebung zwischen physischem und digitalem Raum vollzieht und sich vor dieser Entwicklung wohl niemand drücken kann.

 

Literatur:

Emch, S. (2015). Harte Zeiten für Modegeschäfte. Schweizer Radio und Fernsehen. Zugriff am 2. Dezember 2018 unter https://www.srf.ch/news/wirtschaft/harte-zeiten-fuer-modegeschaefte

Jung, K. (2018). Personalisierte Werbung: Vor- und Nachteile für Ihr Unternehmen. clicks. Zugriff am 4. Dezember 2018 unter https://www.clicks.de/blog/personalisierte-werbung-vor-und-nachteile-fuer-ihr-unternehmen

Rehfeld, N. (2017). Vernetflixt. Spiegel Online. Zugriff am 3. Dezember 2018 unter http://www.spiegel.de/kultur/kino/video-on-demand-stirbt-das-kino-den-tod-durch-ungeduld-a-1143710.html

Abbildung:

#EOA17 (2016), https://einfach-online-arbeiten.de/alle-reden-von-digitalisierung-wir-machen-das/, (Zugriff am 03.12.2018).

 

Autoren: Noe Balsiger und Daniel Barmettler

Überlegungen zur Digitalisierung

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Whatsapp und Messenger werden von uns als die etabliertesten Kommunikationstools in unserer Gesellschaft angesehen. Insbesondere für das Versenden von informellen Kurznachrichten oder Fotos erweist sich die schnelle und unkomplizierte Datenvermittlung über die beiden Apps als praktisch. Das Mail hingegen wird von uns primär für formelle Anliegen und Angelegenheiten, wie Bewerbungen oder Gespräche mit Professoren sowie Arbeitgebern, genutzt. Viele Personen verwenden unserer Ansicht nach mehrere Mail Accounts, um Privates und Schulisches virtuell voneinander trennen zu können. Auch in Multiplayer Videospielen, in denen sich der Spieler quasi bereits in einer virtuellen Welt bewegt, werden häufig zusätzliche Kommunikationsprogramme, wie Discord oder Teamspeak, verwendet, um die einzelnen Gamer untereinander zu vernetzen.

Durch die Verwendung von Social Media Plattformen lassen sich Einblicke und Informationen über die Lebenswelten anderer Personen, seien das Freunde, Familienangehörige oder Prominente, gewinnen. Dies kann dazu führen, dass ein virtueller „persönlicher“ Bezug zu einem Menschen hergestellt wird, obwohl man diesem im „realen“ Leben noch nie begegnet ist. Durch das Veröffentlichen und Zugänglichmachen von privaten Fotos erscheinen, unserer Meinung nach, prominente Personen nahbarer und der Betrachter kann sich besser mit ihnen identifizieren.

Auch der Bezug von Informationen erfolgt heutzutage zunehmend über den digitalen Weg. SBB App zeigt einem die gewünschten ÖV-Verbindungen, ohne dass sich der Reisende an einem Ticketschalter oder in einer Broschüre über den Zug- oder Postautofahrplan informieren muss. Des Weiteren wird der Zugang zu Wissen durch das Internet deutlich vereinfacht, da viele Bücher, Papers und gar Archivquellen mittlerweile auch online in PDF-Form abrufbar sind. Dies führt zu einer beträchtlichen Zeitersparnis bei der Informationsbeschaffung, da beispielsweise nicht zwingend ein Archiv oder eine Bibliothek im „realen“ Leben aufgesucht werden muss. Hierbei kann zudem die Lernplattform ILIAS genannt werden, die für viele Studenten die Anschaffung von Vorlesungsskripts verzichtbar macht.

Die virtuellen Kommunikationsdienste führen, unserer Ansicht nach, zu einer problematischen Vorstellung des „immer verfügbar/ansprechbar sein“, da das Internet bekanntlich nie schläft. Allgemein ist eine zunehmende Verblassung der Grenzen zwischen virtuellen und realen Räumen, beispielsweise in Online Rollenspielen in denen ein „zweites Leben/Ich aufgebaut“ wird, zu beobachten. Nichtsdestotrotz können virtuelle Räume und die Digitalisierung generell nicht per se verteufelt werden, da das Internet eine integrale Voraussetzung für das Funktionieren der heutigen Gesellschaft darstellt.

Jurassic World

Jurassic World ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2015 des Regisseurs und Drehbuchautors Colin Trevorrow. Er bildet den vierten Teil in der Jurassic-Park-Filmreihe.

22 Jahre nachdem der ehemalige Dinosaurier Themenpark “Jurassic Park“ auf der pazifischen Isla Nublar nahe Costa Rica geschlossen wurde, ist im Süden der Insel ein neuer, riesiger Vergnügungspark namens “Jurassic World“ entstanden. Größer, sicherer und mit mehr Dinos denn je. Weil die Besucherzahlen jedoch deutlich nach unten gehen, wird an neuen Attraktionen gearbeitet, um grösseres Interesse zu wecken. Hinter Spiel und Spaß lauert jedoch der Tod als die genetisch veränderten, bösen und unberechenbaren Dinosaurier ausbrechen. So droht der Park im Chaos zu versinken.

Jurassic_WorldAbbildung: Owen Grady versucht mit einem der Velociraptoren zu kommunizieren (Jurassic World, 2015)

Der Screenshot aus der ausgewählten Filmszene (1:44 bis 1:51) zeigt einen der Velociraptoren, eine Dinosaurierart, mit welcher im Themenpark experimentiert wurde. Im Hintergrund ist der Hauptdarsteller Owen Grady (Chris Pratt) zu sehen. Der ehemalige Navy-Soldat ist als Züchter und Wildhüter im Themenpark angestellt. Hinter ihm befindet sich die zweite Hauptdarstellerin und Leiterin des Dinosaurier Themenparks Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) mit ihren beiden Neffen Gray (Ty Simpkins) und Zach Mitchell (Nick Robinson).

In dieser Szene kommt es zum Ausbruch der Dinosaurier. Die Parkbesucher fliehen in alle Richtungen. Owen Grady rettet als selbsternannter, jedoch erfolgreicher Anführer die als total hilflos und verängstigt dargestellte Leiterin des Themenparks und ihre Neffen. Dabei versucht er mit den Dinosauriern zu kommunizieren und sie für sich zu gewinnen. Im ganzen Film lässt sich Grady immer wieder spektakuläre Manöver einfallen, um im letzten Moment die Situation noch zum Guten zu wenden.

In diesem Filmausschnitt werden die unterschiedlichen Stereotypen von Mann und Frau dargestellt. Grady zeigt sich als furchtloses Alphatier, das vor nichts zurückschreckt. Claire, die Leiterin des Parks, hingegen wird als hübsch und modebewusst, jedoch vollkommen sensibel und schwach dargestellt. In dieser Filmszene kann zudem beobachtet werden, wie sich Claire in eine immer grösser werdende Abhängigkeit von Grady begibt. Ohne ihn wäre sie total überfordert und den Dinosauriern ausgeliefert.

Anhand der in dieser Filmsequenz vermittelten Werte könnte generalisiert werden, dass Frauen unfähige, hysterische und hilflose Sexobjekte sind. Der Mann hingegen scheint durch diese Filmsequenz als generell handlungsfähiger und unabhängiger Gegenpol zum weiblichen Geschlecht. So ist es auch der Mann, der die Frau und Kinder aus mehreren gefährlichen Situationen retten muss.

Auf uns wirken die Szenen dieses Filmes und die dabei vermittelten Werte der Geschlechter sexistisch und veraltet. Die dargestellten Geschlechterrollen zeigen ein Bild aus längst vergangenen Zeiten. Dies kann vor allem auf Jugendliche, welche dem Zielpublikum dieses Filmes entsprechen, grossen Einfluss haben. Sie nehmen die vermittelten Werte der Geschlechter auf und übertragen diese in ihr eigenes Leben. Das kann zu Unsicherheiten und Rollendruck führen, da sie sich in eine gewisse Geschlechterrolle hineingezwängt fühlen (strangl.eu, n.d).

“Jurassic World“ mag wohl ein moderner Science-Fiction Film sein, der mit neuster Film- und Computertechnik brilliert, hinkt unserer Meinung nach mit seinen vermittelten Werten jedoch Jahrzehnte zurück.

 

Literaturverzeichnis

Trevorrow, C., Marshall, F., Crowley, P. T., Jaffa, R., Silver, A., Connolly, D., et al. Universal Studios Home Entertainment (Firm),. (2015). Jurassic World.

Strangl.eu. (n.d). Die Bedeutung der Medien auf die Entwicklung der Jugendlichen. Besucht am 17.11.2018 unter http://www.stangl.eu/psychologie/entwicklung/Medien-Jugend.shtml.

Autoren: Noe Balsiger & Daniel Barmettler

Filmausschnittsanalyse: James Bond – Goldfinger

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Die ausgewählte Szene stammt aus Guy Hamilton’s Film “James Bond 007 – Goldfinger” von 1964 und spielt in einer Hotelanlage in Miami (Seidl, o.J.). James Bond, britischer Geheimagent des MI6 hat den Auftrag erhalten den Milliardär namens Goldfinger zu überwachen. James Bond beobachtet Herr Goldfinger wie dieser beim Glücksspiel am Pool per Funk Informationen bekommt und seinen Gegner betrügt. Bond dringt daraufhin in Golfingers Hotelzimmer ein und findet auf dem Balkon Jill Masterson, die leicht bekleidete Komplizin von Goldfinger, welche mit einem Fernglas die Karten des Spielgegners sehen kann und die Informationen per Funk Golfinger weiterleitet. Jill erschrickt kurz als Bond auftaucht doch leistet keine Gegenwehr. Bond beginnt augenblicklich mit ihr zu flirten, legt sich neben sie und zwingt Goldfinger per Funk das Kartenspiel zu verlieren. Die letzte und darauf folgende Einstellung zeigt wie Bond und Jill sich beinahe Küssen.

Die Szene ist ein typisches Beispiel für die immer wieder auftretenden Geschlechterrollen von Mann und Frau beziehungsweise von James Bond und verschiedenen “Bondgirls” in den Bond Filmen. James Bond wirkt als Mann souverän und clever, denn er versteht schnell wie Goldfinger betrügt und dringt gekonnt in dessen Zimmer ein. Weiter wird er durch seine Sprüche und Gesprächsart charmant und selbstbewusst dargestellt. Die Komplizin Jill jedoch wirkt durch ihre Reaktion, als sie James Bond entdeckt, naiv und hilflos. Sie hinterfragt weder seine Motive noch setzt leistet sie Gegenwehr, obwohl er ihn ihr Suite eindringt und sich in ihre Geschäfte einmischt. Sie bleibt Goldfinger nicht treu und “verfällt” in kürzester Zeit James Bonds Charme. Diese Szene vermittelt beidseitigen Opportunismus, wobei Jill von Bond womöglich nur ausgenutzt wird und sie selber bei geringster Gelegenheit die Fronten wechselt.

Wie in den meisten James Bond Filmen wird Bond als sehr souveräner, charmanter, stilvoller, maskuliner Alleskönner dargestellt, dem alles gelingt, was er versucht und der jede Frau, selbst Gegnerinnen wie in diesem Beispiel, um den Finger wickeln kann. Bonds Auftreten wird In den Filmen durch die vielen ihn verehrenden “Bondgirls” als äusserst begehrenswert dargestellt. Diese Inszenierung von Bonds Rolle suggeriert dem Publikum ein Wunschbild von “Mann”, welches die vorherrschenden gesellschaftlichen Gender-Hierarchien reproduziert oder sogar weiter verstärken kann. “Bondgirls” werden auf ihren sexualisierten Körper reduziert und selten erfährt man was über ihren Charakter oder ihren Hintergrund. Diese Objektivierung der Frau wird durch den häufigen Altersunterschied – Bondgirls sind eigentlich immer jünger als James Bond – noch weiter verstärkt. Häufig wird ein hilfloses Bild der Frau inszeniert oder sie befindet sich in einer Situation, aus welcher Bond sie dann als Held rettet oder befreit, während sie ihn nur bestaunt. Es scheint als ob der Film versucht Bond für männliche Zuschauer als begehrenswertes Vorbild darzustellen und für weibliche Zuschauerinnen soll er einen Wunschpartner darstellen. Über die ganze Franchise “James Bond” betrachtet, sind die Filme ein interessantes Proxy für die Evolution der Geschlechterverhältnisse. Besonders jedoch bei Goldfinger lässt sich durch die fast übertriebene Darstellung von Sean Connery kein abschliessendes Urteil finden, ob ein veraltetes Rollenbild von Mann und Frau propagiert wird oder ob es sich doch um eine etwas ironische Pointierung handelt.

Literatur:

Seidl, Gernot (o.J.): JamesBond.de, Goldfinger. Web, (o.J.), in:  http://www.jamesbond.de/die-filme/filme-mit-sean-connery/goldfinger/, (Zugriff: 16.10.18)

Bildquelle:

MI5MI6GCHQ (o.J.): Goldfinger (1964) – Miami hotel pool scene. YouTube, Web, 12.06.2016, in: https://www.youtube.com/watch?v=8kDdIL0tSeI&t=186s, (Zugriff: 16.10.18)

Frauen in den Maquiladora. Verliererinnen oder Gewinnerinnen?

Die folgende Rezension befasst sich mit einem Buchartikel zur genderspezifischen Handlungsmacht von Maquiladora-Arbeiterinnen in Nordmexico. Geschrieben wurde der Artikel von Prof. Dr. Elisabeth Tuider und Miriam Trzeciak. Prof. Dr. Elisabeth Tuider absolvierte das Studium der Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien und spezialisierte sich auf die Sozialpädagogik, Heil- und Sonderpädagogik. Seit 2011 hat sie die Professur „Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtigung der Dimension Gender“ an der Universität Kassel inne (Uni-Kassel, n.d). Miriam Trzeciak studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Romanische Philologie in Aachen, Barcelona sowie in Münster. Von 2011-2016 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet „Soziologie der Diversität“ an der Universität Kassel (b-tu, n.d).

Zu Beginn ihres Buchartikels: „Zwischen Ausbeutung und Empowerment? Genderspezifische Handlungsmacht von Maquiladora-Arbeiterinnen in Nordmexiko“ (2014) wird auf die Ausbeutung der Arbeiterinnen in den Maquiladora aufmerksam gemacht. Die beiden Wissenschaftlerinnen wollten jedoch ebenso herausfinden, welche Handlungsmöglichkeiten sich in den Maquiladora für die Frauen ergeben können und wie sich diese manifestieren.

Maquila_ArbeiterinnenAbbildung: Frauen arbeiten in einer Maquila im Norden Mexikos (Primagroup.com, 2018)

So zeigte sich, dass vor allem die Entlöhnung einen starken Einfluss auf den Empowerment-Prozess der Frauen hat. Der Lohn verschafft ihnen Ansehen und Handlungsmöglichkeiten, welche zu mehr persönlicher Freiheit führen können. Der Begriff des Empowerments meint in diesem Zusammenhang den Prozess, substantielle Handlungs-und Wahlmöglichkeiten zu erhalten. Mit diesem Text soll das Spannungsverhältnis zwischen der Ausbeutung durch die Arbeitsbedingungen, aber auch einem gleichzeitigen Empowerment aufgezeigt werden.

Dieser Text hat auf Grund der aktuellen Lebenslage vieler Mexikanerinnen und Mexikaner durchaus seine Berechtigung. Der Artikel folgt zudem einer klaren Gliederung und Struktur. Jegliche Aussagen werden klar begründet und die Argumente sind schlüssig. Durch die Auseinandersetzung mit diesem Text eröffnet sich für uns eine ganz neue Sichtweise, nämlich jene des wachsenden Handlungsspielraums für Frauen durch die Lohnarbeit. Der Text beschreibt das Verhältnis zwischen Ausbeutung und Empowerment in einer verständlichen Art. Unserer Meinung nach wird jedoch zu wenig auf die Thematik der Ausbeutung der Arbeitskraft eingegangen. Es wird zwar davon gesprochen, jedoch fehlt eine kritische Auseinandersetzung mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem und inwiefern es zur Ausbeutung der Arbeitskraft beiträgt.

Auch Christian Berndt hat die Relevanz dieses Themas erkannt. Auch er beschreibt in seinem Text “Maquildora“ (2012) die schwierigen Arbeitsbedingungen der mexikanischen Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken der Grenzregionen. Er erwähnt dabei auch die emanzipatorischen Gender-Verhältnisse und die Frauenmorde. Berndt geht dabei jedoch stärker auf die Ausbeutung und die Diskriminierung der Arbeitnehmenden in den Maquiladora ein. Mit seinem Text gewährt Christian Berndt eine noch breitere Perspektive in das Wirkungsgefüge der Maquiladora als es von Prof. Dr. Elisabeth Tuider und Miriam Trzeciak beschrieben wurde.

Wir sind der Meinung, dass solche Texte, welche die Lebensverhältnisse der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Maquiladora aufzeigen, sehr relevant sind. Denn die Lebensbedingungen in solchen Regionen sind geprägt von Ungleichheit und Gewalt. Dennoch ist es wichtig dabei verschiedene Sichtweisen und Perspektiven einzunehmen. Denn wie diese Texte zeigen, kann ein Perspektivenwechsel eine komplett unterschiedliche Realität darstellen.

Literatur

Berndt, Christian. (2012). Maquiladora. In: Marquardt, Nadine, Verena Schreiber (Hg.). Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart. Bielefeld: transcript. 185-191.

b-tu. (n.d). Akademische Mitarbeiterin. Miriam Trzeciak. Zugriff am 05.11.2018 unter http://www.primagroup.com.py/maquila.php?lang=en.

Trzrciak, M. & Tuider, E. (2009): Zwischen Ausbeutung und Empowerment—Zur Situation von Arbeiterinnen in der nordmexikanischen Maquiladora-Industrie. In: Tuider, E., Wienold, H., Bewernitz, T. (Hrsg.): Dollares und Träume. Migration, Arbeit und Geschlecht in Mexiko im 21. Jahrhundert (S. 154–170). Münster: Westfälisches Dampfboot.

Uni-kassel. (n.d). Zur Person. Wissenschaftlicher Werdegang. Zugriff am 05.11.2018 unter https://www.uni-kassel.de/fb05/fachgruppen/soziologie/soziologie-der-diversitaet/personen/prof-dr-elisabeth-tuider/zur-person.html.

Abbildung

Primagroup. (2018). Zugriff am 05.11.2018 unter http://www.primagroup.com.py/maquila.php?lang=en

Die Berg- und Talfahrt der Anti-AKW-Bewegung

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Abb. 1: Will nicht die Augen vor dem atomaren Risiko verschliessen: Aktivist am 26. April in Bern.

Bis 1969 war die Gefahr eines AKWs nicht Teil der öffentlichen Diskussion. Die Anti-AKW-Bewegung der Schweiz hat ihren Ursprung erst im Jahr 1970, wo im Zuge des geplanten Atomkraftwerks (AKW) Kaiseraugst, das Nordwestschweizer Aktionskomitee gegen Atomkraftwerk (NWA) gegründet wurde. Das NWA setzt sich als Gegengewicht gegen die ungebremste Nuklear-Euphorie für das Verbot neuer AKW ein. Im supranationalen Rahmen kämpft die NWA als Mitglied des trinationalen Atomschutzverbands gegen das AKW Fessenheim im Elsass und gegen die geplanten Endlager in der Region (Giugni & Passy, 1999).

Im Jahr 1974 fanden auf dem Baugelände des AKW Kaiseraugst AG 6000 Menschen für eine Kundgebung zusammen, was das Mobilisierungspotential der AKW Gegner zum ersten Mal sichtbar machte (Zwicky, 1983). Der Kanton Basel, betroffen von möglichen Auswirkungen, hatte keine Möglichkeit der Einflussnahme oder politischen Intervention. Die Basler forderten ein Mitspracherecht zu solch einem Vorhaben nahe ihrer Kantonsgrenze und innert kürzester Zeit wurde der Bau zum nationalen Politikthema. 1975 wurde das Baugelände Kaiseraugst besetzt was den ersten Höhepunkt der schweizerischen Anti-AKW-Bewegung markiert. Der Widerstand gegen die Atomkraftwerke wird zudem anhand von Volksabstimmungen, Petitionen und Initiativen auch in den Institutionen geführt. Konkret werden Unterschriften für politische Vorstösse auf nationaler Ebene gesammelt (Kriesi, 1982).

Nach 1975 bildeten sich schweizweit verschiedene Unterstützungskomitees. Jedoch kam es zur Spaltung der Bewegung, wodurch sie an Einflussnahme und medialer Präsenz verlor. Es wurden weiterhin Proteste organisiert und man versuchte Initiativen zu lancieren. An die Erfolge vergangener Tage konnte jedoch nicht angeknüpft werden. Erst 1986, nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl, mobilisierte sich die Anti-AKW-Bewegung erneut, was zu den beiden Volksinitiativen «Für den Ausstieg aus der Atomenergie» und «Stopp dem Atomkraftwerkbau» führte. Die letztere der beiden Vorlagen wurde angenommen. 2011, nach der Naturkatastrophe in Fukushima kam es erneut zu einem Aufschwung in der Anti-Atomkraft-Bewegung. Zum ersten Mal seit den 80er Jahren war die Bewegung wieder sichtbar und zog auch politisch Ungebundene und Bürgerliche an (Kupper, 2003)

Atomkatastrophen wie die Reaktorexplosion in Tschernobyl 1986 oder der Super-GAU von Fukushima 2011 untermauern die Argumente der AKW-Opposition gegen Atomenergie. Nicht nur das immense Schadenspotential bei einem Unfall, sondern auch die ungeklärte Entsorgungsfrage des Atommülls gehört zu den Kernargumenten für die Bewegung. Ein weiterer Brennpunkt ist zudem die Unvereinbarkeit der Atomkraft mit dem Klimaschutz, da durch den Bau neuer Atomkraftwerke die Entwicklung einer sicheren Stromversorgung mit erneuerbaren Energien behindert und Anreize zur Energieeffizienz unterbunden werden (Zwicky, 1993).

Auch heute noch verfolgt die Anti-AKW-Bewegung dieselben Ziele wie zu ihrer Gründungszeit. Nach einer AKW Katastrophe ist die Bewegung immer stark in der Öffentlichkeit präsent. Mit der Zeit verliert sie jedoch die Aufmerksamkeit der breiten Bevölkerung. Auf der anderen Seite trug die Anti-Atomkraft-Bewegung zum Beschluss des Bundesrats über den geordneten Atomausstieg und die Energiestrategie 2050, die im Mai 2017 vom Volk angenommen wurde bei. Der Bau neuer AKW ist nun nicht mehr möglich was zu den grössten Erfolgen der Bewegung gehört.

Literatur

Giugni, Marco & Passy, Florence: Zwischen Konflikt und Kooperation. Die Integration der sozialen Bewegungen in der Schweiz, Zürich 1999.

Kriesi, Hanspeter: AKW-Gegner in der Schweiz, Diessenhofen 1982.

Kupper, Patrick: Atomenergie und gespaltene Gesellschaft, Zürich 2003, S. 152.

Zwicky, Heinrich: Umwelt als Aktivierungsgrund. Politische Aktivierungsereignisse zu Umwelt-, Verkehrs- und Wohnfragen in der Schweiz, 1945 – 1989; Bericht 12 des NFP “Stadt und Verkehr”, Zürich 1993.

Abbildungsverzeichnis

Tagesanzeiger: Das Comeback der AKW-Gegner. https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Das-Comeback-der-AKWGegner-/story/25698077?track. (Stand: 22.05.2011) (Zugriff: 24.10.2018).

Nuit Debout

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Abbildung 1: Debatte während Nuit Debout auf dem “Place de la République” in Paris. (Mediapart, 2016)

Nuit Debout ist eine soziale Bewegung, die vor allem in Frankreich stattgefunden hat. Sie hat am 31. März 2016 begonnen und die ursprüngliche Forderung war die Ablehnung des Gesetzes „Loi Travail“ der französischen Regierung, auch „Loi El Khomri“ genannt (Huffington Post, 2016).

Mit dem Gesetz können Arbeitnehmende einfacher entlassen werden. Der Kündigungsschutz wird verringert, indem in mehr Fällen von schlechter wirtschaftlicher Lage der Arbeitgebenden eine Entlassung erlaubt wird (Le Monde, 2016). Die maximale Arbeitszeit pro Woche wird auf 48 Stunden erhöht. Bei ausserordentlichen Umständen kann die Arbeitszeit während kurzer Zeit auf bis zu 60 Stunden erhöht werden (Le Monde, 2016). Die Bewegung kritisiert am Gesetz insbesondere, dass dadurch nicht die Arbeitslosigkeit verringert wird, wie von der Regierung angekündigt, sondern vielmehr die Unternehmen einfacher Gewinn auf Kosten der Arbeitenden machen können (Die Zeit, 2016).

Diese soziale Bewegung ist in Paris entstanden und dann in anderen Städten Frankreichs aufgenommen. Insgesamt wurden Versammlungen von Nuit Debout in 140 französischen Städten durchgeführt (LCI, 2017). Nuit Debout ist eine Bewegung ohne führende Person und ohne politische Vertretung. Eine Demonstration von Nuit Debout ist anders gesagt eine öffentliche Diskussion, deren Entscheidungen durch Konsens und in direkter Demokratie getroffen werden (Huffington Post, 2016). Dieses Modell, das offen ist für Diskussionen, hat nicht nur in Frankreich Anklang gefunden, sondern auch in anderen Städten Europas. Ähnliche soziale Bewegungen entstanden eine Woche nach der ersten Pariser Versammlung auch in Brüssel, Madrid oder Valencia (Le Figaro, 2016a).

Schon in anderen Ländern wie Italien oder Deutschland wurden ähnliche Reformen umgesetzt, ohne eine bedeutungsvolle Abnahme der Arbeitslosigkeit zu bewirken (Nuit Debout, 2017). Dass weltweit Arbeitnehmende unter Druck geraten, aber auch dagegen gekämpft wird, erklärt Munck (2000) mit der neoliberalen Wirtschaftspolitik, Strukturanpassungsprogrammen und Privatisierung, Deregulierung und der zunehmenden Mobilität von transnationalen Unternehmen.

Nuit Debout hat durch die Diskussionen mit der Zeit neue Forderungen aufgestellt und hat sich zum Beispiel antikapitalistisch positioniert und sich für mehr Demokratie, Gerechtigkeit und Partizipation ausgesprochen (Le Figaro, 2016b). Andere Themen wie bedingungsloses Grundeinkommen (Libération, 2016),Vollbeschäftigung (L’OBS, 2016) oder Generalstreik (Les Inrockuptibles, 2016) wurden diskutiert, aber wegen mangelnder Zustimmung wieder verworfen. Einige Teilnehmende wie Frédéric Lordon argumentierten jedoch, ein Generalstreik sei die einige mögliche Aktion der Bewegung, damit die Forderungen von der Regierung ernst genommen werden (Les Inrockuptibles, 2016).

Daraus stellt sich für die Bewegung die wichtige Frage danach, was überhaupt erreicht werden konnte, denn das Gesetz trat schlussendlich in Kraft und die Protestierenden wurden immer weniger (NZZ, 2016). Zudem stellt sich die Frage, ob die Bewegung wirklich auch von Arbeitenden unterstützt wurde, oder vor allem durch privilegierte Pariser und ob Bestrebungen breitere Kreise mit einzubeziehen auch umgesetzt werden konnten. Auch fraglich ist, wie Menschen akzeptiert wurden, die gegen das Arbeitsgesetz waren, aber sonst andere politische Ansichten vertraten. Schlussendlich lautet die daraus folgende Frage, ob die Bewegung wirklich so basisdemokratisch war, wie sie sich gab und von der Politik forderte.

Literaturverzeichnis

Die Zeit (2016): „Gewerkschaften blockieren Öleinfuhren“. 26. Mai 2016. Abgerufen am 23. Oktober 2018 unter https://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/frankreich-protest-sprit-blockaden-gewerkschaften-aktionen-arbeitsmarktreform

Huffington Post (2016): „Le mouvement Nuit Debout s’est-il couché?“. 31. Mai 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter https://www.huffingtonpost.fr/2016/05/31/nuit-debout-deux-mois-apres-fin-mouvement_n_10221444.html

LCI (2017): „Que reste-t-il de Nuit Debout un an après? ‘Les gens ont commencé à relever la tête’“. 31. März 2017. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter https://www.lci.fr/societe/que-reste-il-de-nuit-debout-un-an-apres-les-gens-ont-commence-a-relever-la-tete-2030822.html

Le Figaro (2016a): „La Nuit Debout s’exporte aussi en Europe“. 7. April 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2016/04/07/01016-20160407ARTFIG00058-la-nuit-debout-s-exporte-aussi-en-europe.php

Le Figaro (2016b): „Lois injustes, insoumissions et lutte des classes: les slogans de la ‘Nuit Debout’“. 3. April 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2016/04/03/01016-20160403ARTFIG00063-lois-injustes-insoumission-et-lutte-des-classes-les-slogans-de-la-nuit-debout.php

Le Monde (2016): „Temps de travail, licenciement, prud’hommes: ce que contient le projet de loi d’El Khomri“. 18. Februar 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter https://www.lemonde.fr/les-decodeurs/article/2016/02/18/droit-du-travail-ce-que-contient-l-avant-projet-de-loi-de-myriam-el-khomri_4867746_4355770.html

Les Inrockuptibles (2016): „‘Nuit Debout’ réfléchit à son avenir“. 10. April 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter https://www.lesinrocks.com/2016/04/10/actualite/nuit-debout-reflechit-a-avenir-11818730/

Libération (2016): „Ce que retient la nuit.“  15. April 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter https://www.liberation.fr/france/2016/04/15/ce-que-retient-la-nuit_1446592

L’OBS (2016): „Nuit Debout: ‘Le mouvement est en voie d’extension’“. 4. April 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter http://www.nouvelobs.com/societe/20160404.OBS7795/nuit-debout-le-mouvement-est-en-voie-d-extension.html

Munck, R. (2000): Labour in the Global: Challenges and Prospects. In: R. Cohen and S. Ray (Hrsg.) (2000): Global Social Movements. London: Continuum Publishing. S. 83-100.

Nuit Debout: „Nouit Debout: Pourquoi la loi travail pose problème“. Abgerufen am 22. Oktober 2018 unter https://nuitdebout.fr/blog/2017/08/31/pourquoi-la-loi-travail-pose-probleme/

NZZ (2016): „Was wurde aus ihren roten Nächten?“. 17. Dezember 2016. Abgerufen am 23. Oktober 2018 unter https://www.nzz.ch/feuilleton/blick-zurueck-auf-nuit-debout-was-wurde-aus-ihren-roten-naechten-ld.135283

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Mediapart (2016): „Nuit debout, le rêve éveillé d’une convergence des luttes“. 3. April 2016. Abgerufen am 25. Oktober 2018 unter https://blogs.mediapart.fr/benjamin-sourice/blog/030416/nuit-debout-le-reve-eveille-dune-convergence-des-luttes-0

Recht auf Stadt – Netzwerk von Hamburger Initiativen für eine Stadt für alle

von Fabia Lüthi, Luzia Nieuwenhuizen, Oliver Stettler

Die Idee des Rechts auf Stadt entwickelte Henri Lefebvre konzeptuell in seinem Buch „Le droit à la ville“. Er bezieht sich vor allem auf die Problematik des Städtewachstums in der Nachkriegszeit (Lefebvre 1968:36). Die Bewegung „Recht auf Stadt“ mit physikalischem Ort in Hamburg, gegründet 2009, hat diese Idee aufgegriffen und weiterentwickelt. Es geht ihnen um die Probleme der Gentrifizierung, der Repression, einer neoliberalen Stadtentwicklung, des Mitspracherechts, der Segregation und der Verdrängung. Das Netzwerk „Recht auf Stadt“ besteht aus zahlreichen Hamburger Initiativen und Gruppen, beispielsweise dem Dachverband Autonomer Wohnprojekte oder dem autonomen Kulturzentrum „Rote Flora“. Sie fordern, dass Städte Orte sind, an denen gleicher Zugang zu bezahlbarem Wohnraum, Bildung, Einkommen und Gesundheit für alle herrscht (Recht auf Stadt 2017).

Die Recht auf Stadt Bewegung sieht «sämtliche Ressourcen und soziale Beziehungen […] der kapitalistischen Inwertsetzung unterstellt. Immer größere Teile der Bevölkerung sehen sich einer zunehmenden Prekarisierung ausgesetzt – während der Reichtum der Wenigen ungebremst wächst» (Recht auf Stadt 2017). Das Netzwerk definiert sich als eine radikale Antwort auf diese Situation (Recht auf Stadt 2017). Also verwirklichen sie «selbstorganisierte Stadtteilversammlungen oder kollektive Wunschproduktionen» und eignen sich selber Räume durch Besetzungen an (Recht auf Stadt 2017). Sie eröffneten den «Arrivati Park» um Fragen zu Flucht, Migration und Urban Citizenship in den öffentlichen Raum zu stellen (Recht auf Stadt 2017). Die öffentlich auffälligste Aktivität ist aktuell die Mobilisation und Organisation verschiedener Kundgebungen, welche sich «für eine Wohnraumpolitik, die endlich aufhört, sich an den Gewinninteressen der Immobilienwirtschaft zu orientieren» (Recht auf Stadt 2018) einsetzen. Nach Harvey (2008:23) leben wir in einer Welt, in der die Rechte des Privateigentums und die Gewinnrate alle anderen Vorstellungen von Rechten übertrumpfen.

Purcell (2002:99) beschreibt einen Entzug der demokratischen Freiheiten der Bevölkerung und ihren gewählten Regierungen als ein globales Phänomen. Hauptverantwortliche sind seiner Meinung nach Handelsorganisationen wie die WTO oder NAFTA und generell der weltweite Freihandel, die mehr Macht auszuüben vermögen als lokale Regierungen. So können wirtschaftliche Projekte zur Förderung der ortsansässigen Einwohnerschaft, die lokale Wertschöpfungsketten vorschreiben, von anderen Staaten als protektionistisch angesehen werden und mittels der WTO angeklagt werden (Klein 2015:86). Nicht nur die Waren- und Kapitalströme haben in den letzten Jahrzehnten weltweit stark zugenommen, sondern auch Migrationsbewegungen. Sei es die internationale oder die Land-Stadt Migration, die meisten Migrierenden sehen ihre Zukunft in einem urbanen Raum, weshalb ein globales Städtewachstum zu verzeichnen ist. Unterschiedliche Ausgangslagen, wie Herkunft, Bildung, Religion, usw. der Migrierenden, führen im geballten städtischen Raum zu ungleichen Machtpotenzialen und sozialen Spannungen.

Viele Forderungen der Hamburger Bewegung sind idealistisch und Kapitalismuskritisch. Das führt dazu, dass die Probleme oftmals monokausal erklärt werden und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten begrenzt sind. Man versucht außerdem unabhängig von Politik und Staat wirksam zu sein, was in einem Rechtsstaat die Umsetzungsmöglichkeiten weiter begrenzt und keine langfristige Wirkung verspricht. Wenn also die Institutionalisierung der Bewegung für die konkrete Umsetzung notwendig ist, würden jedoch die Forderungen nicht mehr ihrem Grundsatz entsprechend umgesetzt werden können.

 

Literaturverzeichnis

Harvey, David (2008): The Right To The City, in: New Left Review, o.J., 53, S. 23-40

Klein, Naomi (2015): Heisses Geld. Wie der Marktfundamentalismus den Planeten aufheizt. In: Klein Naomi (2015): Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima. Berlin: S. Fischer Verlag, S. 86

Lefebvre, Henri (1968): Das Recht auf Stadt. Hamburg: Edition Nautilus, S. 29-59

Purcell, Mark (2002): Excavating Lefebvre: The right to the city and its urban politics of the inhabitant, in: GeoJournal, 58, 2-3, S. 99

Recht auf Stadt: Netzwerk von Hamburger Initiativen für eine Stadt für alle (2017): Programmatische Grundlage, [online] http://www.rechtaufstadt.net/pg2017.html [23.10.2018]

Recht auf Stadt: Netzwerk von Hamburger Initiativen für eine Stadt für alle (2018): Recht auf Stadt: Netzwerk von Hamburger Initiativen für eine Stadt für alle, [online] http://www.rechtaufstadt.net/ [23.10.2018]

#BlackLivesMatter

Die politische Bewegung „Black Lives Matter“ (BLM) entstand am 13. Juli 2013 in den USA. Der Auslöser war der Freispruch eines Polizisten, der wegen vorsätzlicher Tötung eines jungen Afroamerikaners angeklagt war (Day, 2015).

Es war nicht der erste Vorfall dieser Art. Gewaltdelikte von weissen Polizisten gegen unbewaffnete Schwarze häufen sich (Stürmer, 2016). Der nachsichtige Umgang der Justiz, welche die Polizisten kaum bis gar nicht zu Rechenschaft zieht, ist ein Tatsache, welche in Amerika für intensive Diskussionen sorgt. Bis heute werden Angehörige von Minderheiten überproportional häufig Opfer von Polizeigewalt. Es deutet darauf hin, dass ein systematischer und struktureller Rassismus nach wie vor in der amerikanischen Gesellschaft wirksam ist (Thimm, 2017).

Aufgrund dieser Situation gründeten Alicia Garza, Patrisse Cullors und Opal Tometi eine Bewegung namens „BlackLivesMatter“. Es war ein Aufruf gegen die staatlich sanktionierte Gewalt und gegen den Rassismus, von welchem Schwarze stark betroffen sind. Das Ziel ist es die Chancenungleichheit zwischen den verschiedenen Rassen aber auch sexuellen Orientierungen und Geschlechter aufzuheben (Blacklivesmatter, n.d).

BLMAbbildung: Protestanden stellen sich gegen die Polizei von Baton Rouge, USA (Vice.com, 2016)

Zu den ursprünglichen Aktivitäten gehört die Nutzung der sozialen Medien. Mit dem Hashtag-Aktivismus wurde versucht tausende Menschen gleichzeitig zu erreichen. Seit den ersten Erfolgen über die sozialen Medien haben die Black Lives Matters Anhänger/innen eine Vielzahl an Taktiken in ihre Aktivitäten mit einbezogen (McKitterick, 2015). Später wurde die Taktik des direkten Protests in Form von Kundgebungen und Protesten genutzt. Das Ziel ist es unbequem zu sein, so dass sich die Menschen mit dem vorliegenden Problem beschäftigen müssen. Ausserdem wird versucht mit politischen Slogans auf sich aufmerksam zu machen (Hegg, 2015).

Betrachtet man die Thematik in einem grösseren, historischen Kontext begann das Problem des Rassismus während dem europäischen Kolonialismus. Zu dieser Zeit wuchs der Rassismus zu einer vielfältig wirksamen Ideologie heran. Dieses Denken beeinflusst noch heute das politische und alltägliche Leben (Geulen, 2007). Es können ebenso Parallelen zur Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren in den USA erkannt werden. Damals erkämpfte sich die schwarze Bevölkerung den USA politische Gleichberechtigung, jedoch ist man heute, nach Ansicht der BLM-Aktivisten/innen, noch weit von einer ganzheitlichen Chancengleichheit entfernt (Blacklivesmatter, n.d). In einem räumlichen Kontext betrachtet, hat sich das globale Problem des Rassismus, lokal durch Tötungen unbewaffneter Schwarzer gezeigt. Dieses lokale Ereignis und die darauffolgende lokale Reaktion durch Proteste konnte sich wiederum national, wie auch global Aufmerksamkeit verschaffen (Edwards & Harris, 2016).

Wenn man diese BLM-Bewegung jedoch kritisch betrachtet, kommt man um gewisse Fragen nicht herum. So zeigt eine des U.S Cencus Bureaus durchgeführte Statistik, dass 93% der schwarzen Mordopfer durch andere Schwarze ermordet wurden (Curie, 2015). Wieso werden diesen Daten von den BLM- Anhänger/innen keine Beachtung geschenkt? Zusätzlich stellt sich die Frage, ob die Entstehung der Bewegung für die schwarze Bevölkerung nicht auch zu einer zusätzlichen Abgrenzung von der Gesamtbevölkerung führt. Durch ihr radikales Verhalten und den Slogan „Black Lives matter“ könnte man meinen, die BLM stellen ihr Leben über das jener Personen mit einer anderen Hautfarbe. So wird uns der Unterschied zu weissen Rassisten zunehmend undurchsichtiger.

(Autoren: Noe Balsiger & Daniel Barmettler)

 

Literatur

Black Lives Matter. (n.d). Programs. Zugriff am 17. Oktober 2018 unter https://blacklivesmatter.com/programs/

Black Lives Matter. (n.d). Herstory. Zugriff am 16. Oktober 2018 unter  https://blacklivesmatter.com/about/herstory/

Curie, E. (2015). Shouldn’t black lives matter all the time? Contexts 14(3), S. 17-18.

Day, E. (2015). #BlackLifesmatter: The birth of a new civil rights movement. The guardian. Zugriff am 19. Oktober 2018 unter https://www.theguardian.com/world/2015/jul/19/blacklivesmatter-birth-civil-rights-movement.

Edwards, S. & Harris, D. (2016). Black Lives Matter. Minnesota: Abdo.

McKitterick, M. (2015). Frustration Lies Behind ‘Black Lives Matter’. Zugriff am 16. Oktober 2018 unter https://www.voanews.com/a/frustration-lies-behind-black-lives-matter/2915526.html.

Geulen, C. (2007). Geschichte des Rassismus. München: C.H Beck.

Hegg, S. (2015). Tactics of Black Lives Matter. KCTS9. Zugriff am 18. Oktober 2018 unter https://kcts9.org/programs/in-close/tactics-black-lives-matter.

Herbert Ruffin. Black Lives Matter: The Growth of a New Social Justice Movement. Zugriff am am 10. November 2015 unter https://blackpast.org/.

Stürmer, A. (2016). Der verdrängte Rassismus. BR24, Abgerufen am 19. Oktober 2018 unter https://www.br.de/nachricht/schwarze-polizeigewalt-usa-102.html.

Thimm, J. (2017). Black Lives Matter: Eine neue Qualität gesellschaftlichen Protests in den USA. In Godehardt (Hrsg.), Urbane Räume. Proteste. Weltpolitik. (S.15-29). Berlin.

Abbildung

Vice (2016), https://www.vice.com/en_us/article/mvkjma/white-cop-black-lives-matter, (Zugriff am 19.10.2018).

Greenpeace – drop the dirty palm oil

Greenpeace ist eine transnationale Non-Profit Organisation, welche im Jahr 1971 von Friedensaktivisten in Kanada gegründet wurde. Sie befindet sich heutzutage in mehr als 45 Ländern. Greenpeace setzt sich vor allem für Umweltprobleme ein. Sie setzt sich zum Beispiel für Aktionen gegen Überfischung, Entwaldung, globale Erwärmung und Klimaänderung ein. Dieser Blogeintrag konzentriert sich auf dem Protest von Greenpeace gegen die Produktion von Palmöl. Insbesondere hat Greenpeace viel gegen die multinationale Konzerne Wilmar International protestiert. Dieses Unternehmen ist weltweit der grösste Verarbeiter und Vertreiber von Palmöl. Palmöl befindet sich heute in zahlreichen Produkte auf dem Markt. Es ist in viele Nahrungsmittel enthalten, beispielsweise Schokolade, Brot, Margarine und Noodles aber auch in Beauty Produkte wie Shampoos, Seifen und Lippenstifte. Viele Unternehmen in der ganzen Welt verarbeiten Palmöl von dem Lieferanten Wilmar International weiter in ihre eigenen Produkte. Unternehmen wie Kit Kat, Dove, Head&Shoulders, Colgate, Kelloggs und M&Ms sind Beispiele dafür.

Das Hauptproblem des Anbaus und der Produktion von Palmöl, das von Greenpeace kritisiert wird, ist diemassiven Entwaldung um Platz für die Kulturen zu schaffen. Nur in Papua, Indonesia, hat Wilmar International 51.600 Hektare von Wald zerstört. Dies hat verschiedene Auswirkungen auf die Menschen, Tierwelt und auf das globale Klima. Dieser Wald war das Habitat der Orang-Utans, die heute in Gefahr sind, weil sie vom Aussterben bedroht sind. Es wurde berechnet, dass täglich 25 Exemplaren getötet werden. Nicht nur Orang-Utans sind davon betroffen, sondern auch Elefanten, Nashorns und Tigers. So ist die Biodiversität sehr gefährdet. Greenpeace argumentiert, dass durch die Waldrodung der Treibhausgasemission massiv zunimmt. Viele Bewohner und Kleinbauern haben gegen die Waldrodung protestiert.

Greenpeace will, dass Regenwälder wegen Palmöl nicht mehr zerstört werden, damit die Tiere nicht unter Aussterbungsgefahr leiden und die weiteren negativen Auswirkungen auf die Menschen beendet werden. Greenpeace versucht die Öffentlichkeit diesbezüglich aufmerksam zu machen. Vor zehn Jahren haben Nestlé, Unilever und Mars gegenüber Greenpeace versprochen die Verwendung von Palmöl für die Produktion bis 2020 einzustellen. Leider ist das ihnen noch nicht gelungen. Ausserdem wurden die 16 grössten Unternehmen von Greenpeace aufgefordert, ihre Palmöl Lieferanten öffentlich zu deklarieren. Nur zwölf Unternehmen kamen dieser Forderung nach. Zusätzlich fordert Greenpeace alle Unternehmen auf, Wilmar zukünftig aus ihren Wertschöpfungsketten zu streichen.

Greenpeace lässt sich in einen viel grösseren Kontext einbetten, indem sie sich für den Schutz unserer Welt einsetzt. Sie bearbeitet eine grosse Vielfalt von Themen und macht zahlreiche praktische Aktionen und Proteste nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Gesellschaft.

Es stellt sich die Frage, ob sich Greenpeace zu viel auf Wilmar konzentriert. Solange die Nachfrage besteht, wird es immer Unternehmen geben, die auch auf geheime und illegale Weise in anderen Ländern Palmöl produzieren werden. Ausserdem sind konkrete Massnahmen notwendig. Wie lassen sich die Ziele der Greenpeaces politisch oder gesetzlich zukünftig verankern? Welche Wirtschaftliche Anreize können eingesetzt werden um den zukünftigen Palmölhandel zu regulieren?

Obwohl Greenpeace sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzt, wäre eine Ergänzung der Kampagne mit langfristig fairen Lösungsansätze sinnvoller.

 

Literaturverzeichnis

Dalton Jane (2018): “Now or never” battle to save Indonesia’s endangered orangutans as British companies still using “dirty” palm oil. In: Independent

Greenpeace International (2018): The Final Countdown: Now or never to reform the palm oil industry

Jürgens Gesche (2016): Palmöl aus Raubbau in Indonesien. Hamburg

Nicholls Fiona (2018): Palm Oil: what you need to know