Arrival

Die von uns ausgewählte Szene (1:19 bis 1:24) ist aus dem Hollywood Film “Arrival” (2016) vom Regisseur Denis Villeneuve. In der Rahmenhandlung geht es um die Landung von zwölf Raumschiffen auf der Erde und den Versuch der Menschheit sich mit ihnen verständigen zu können, sowie ihren Aufenthaltsgrund herauszufinden.  Dr. Lousie Banks, eine Amerikanische Linguistin, gelingt es mit den Ausserirdischen in ihrer zeichenbasierten Sprache zu kommunizieren. Als sie ein Zeichen mit “Waffe geben” übersetzt, bekommen die anderen Länder, vor allem China, das Gefühl, dass die Aliens eine Bedrohung darstellen und dass die Menschheit sie vertreiben muss. Dort setzt unsere Szene an. Die Ausserirdischen haben kommuniziert, dass die Nachricht, welche Dr. Banks erhalten hat, ein Teil eines grösseren Ganzen ist und die Menschheit miteinander kommunizieren soll, sodass alle Teile der gesamten Menschheit zur Verfügung stehen. Da jedoch die Nachricht mit “Waffe geben” übersetzt wurde, möchte keine Nation seinen Teil der Nachricht an eine andere geben, da niemand dadurch einen Vorteil dieser “Waffe” erhalten soll.

Im ganzen Film ist Kommunikation ein zentraler Wert. Einerseits die Herstellung von Kommunikation mit den Aliens, andererseits das Kommunizieren der Menschheit miteinander. In dieser Szene werden diese zwei Aspekte miteinander verbunden. Aufgrund einer Fehlübersetzung entsteht ein globaler Konflikt welcher beinahe in einem Weltkrieg endet. Kommunikation spielt die Rolle des Entscheidungsträgers über Krieg oder Frieden, Zusammenarbeit oder Feindschaft der Menschheit. Die Zuschauenden erhalten den Eindruck der weisen, friedlichen Aliens und als Kontrast den der kommunikationsunfähigen, kriegerischen Menschen. Besonders sichtbar im Screenshot ist die Unfähigkeit der verschiedenen Ländern, trotz gemeinsamen Herausforderungen miteinander zu arbeiten: alle sind disconnected von der Videokonferenz. Auch wenn der chinesische Präsident (1:19:20) einen gemeinsamen Feind erwähnt und alle anderen fragt, mit ihm in den Krieg zu ziehen, versucht er nicht, internationale Gespräche zu fördern. Im Gegenteil, China bleibt von der Videokonferenz abgeschaltet. Interessant dabei ist, dass China mit dieser Entscheidung als “die Bösen” dargestellt wird, was eine stereotypische Darstellung Chinas in amerikanischen Filmen widerspiegelt.

Die Wissenschaft, repräsentiert durch Dr. Banks (Linguistik) und Ian Donelly (Physik), fungiert als ‘Transmitter’ zwischen Ausserirdischen und Menschen. Ihnen gelingt es durch hartnäckiger Nachforschung den drohenden Konflikt im letzten Moment abzuwenden, indem Dr. Banks herausfindet, dass ‘Waffe’ auch mit ‘Geschenk’ übersetzt werden kann. Dies zeigt, dass die ganze Gesellschaft von wissenschaftlichen Erkenntnissen beeinflussbar ist. Eine andere Übersetzung hätte ein anderes Handeln der Menschen ausgelöst und die internationalen Beziehungen auf eine andere Art und Weise verändert. So kann den Krieg dank ihr vermieden werden, indem sie eine private Konversation mit dem chinesischen Präsident führt, welche seine Meinung drastisch verändert. Es kommt zum internationalen Frieden und gemeinsamen Diskurs. Ausserdem hat die Wissenschaft eine ambivalente Rolle. Einerseits wird das Missverständnis durch die Wissenschaft ausgelöst, andererseits ein Krieg durch sie abgewendet.

Der Film zeigt auf, wie aus einem kleinen Missverständnis eine globale Krise entstehen kann. Die Entscheidungsträger der Nationen unterschätzen die Wissenschaft und übergehen sie bei ihrer Entscheidungsfindung, obwohl sie am Ende den Schlüssel zum Frieden liefert.

Quellen

Film sowie Screenshot (bei ca. 1:20:20): Arrival (2016). Directed by Denis Villeneuve. <https://www.netflix.com/watch/80117799?trackId=13752289&tctx=0%2C0%2C5fda8786b0b744bf360bdb26d066c7f7dc027376%3Ace54d5cf42857a4d880894556ed1bad8900608b1%2C%2C&gt; (Zugriff am 21.11.2018)

Vatersein zwischen Plattform und Zuhause

Marit Aure befasst sich in ihrem Artikel “Mobile fathering: absence and presence of fathers in the petroleum sector in Norway” mit Vätern, welche in der Petroleum-Industrie Norwegens arbeiten. Sie geht der Frage nach, wie die langen Abwesenheiten aufgrund Arbeitsmobilität, gefolgt von intensivem Aufenthalt zu Hause, das Vatersein beeinflussen. Die Soziologieprofessorin interessiert sich für internationale Migration, Geschlecht und Maskulinitäten (UiT Webseite), welche Kernpunkte ihres Artikels sind.

Für ihre Studie hat sie 11 Väter interviewt, welche in einer «two-four-rotation» arbeiten. Das bedeutet, dass sie zwei Wochen «offshore» auf einer Plattform arbeiten, gefolgt von vier Wochen zuhause. Laut Aure “physical absence does not necessarily imply emotional absence” (Aure 2018:1), da die Väter durch Technologien wie z.B. Skype mit ihren Familien und besonders ihren Kindern kommunizieren und so ihre Beziehungen pflegen können. Außerdem wird die Zeit, die sie zu Hause verbringen, mit den Kindern umso intensiver genutzt. Jedoch ist es für einige Väter schwierig, nicht direkt intervenieren zu können, falls Probleme zu Hause auftauchen.
“The men view themselves as providers and caring fathers” (Aure 2018:11), die Männer  leben also zwischen zwei Welten und Identitäten. Einerseits die lange Zeit auf See, wo sie die traditionelle Rolle des geldverdienden Vaters haben, andererseits die intensive Zeit mit ihren Familien, wo sie Vatersein erleben können. Sie bestätigen ihre Maskulinität durch intensive, männlich konnotierte Arbeit, und beschäftigen sich gleichzeitig mit der Erziehung ihrer Kindern, was traditionell weiblich konnotiert ist. Der Schlusssatz fasst den Grundgedanken der Studie zusammen: «Involved fathering opposes and expands the gendered understanding of parenting but not necessarily the gender divisions and inequalities in other fields» (Aure 2018:12).

Ein Schlüsselinstrument um diese Kind-Vater-Beziehung zu pflegen ist die Technologie. Durch die Globalisierung ergeben sich „Möglichkeiten, über große Distanzen hinweg Beziehungen zu pflegen, […] oder mit modernen Transportmitteln in relativ kurzer Zeit an weit entfernte Orte zu reisen“ (Werlen 2014:54). Einerseits wird das durch Skype-Anrufe ermöglicht, andererseits kann es aber auch dazu führen, dass sich die Väter isoliert fühlen (Aure 2018:7) wenn sie etwas verpassen oder wenn sie sehen, dass das Leben ohne sie ebenfalls gut läuft. Diese Gegensätze nehmen die Väter jedoch in Kauf, denn die Arbeit ist gut bezahlt. “What can you do? You have to work” (Aure 2018:6), wie Roger in einem Interview sagt. Dank der Verfügbarkeit von ortsunabhängiger Information (Werlen 2014:61), bleiben die Väter, trotz Abwesenheit, mit ihren Familien im Kontakt.
So schaffen die Familien ihren eigenen Lebensstil und ihr Elternsein unterscheidet sich von der stereotypischen Geschlechterrolle (zumindest während der Anwesenheit des Vaters). Väter können ihre eigenen Werte und Interessen bei der Kindererziehung stärker zur Geltung kommen lassen, da sie ihre Zeit mit den Kindern intensiv nutzen. Es ergibt sich ein Bedeutungsverlust der geschlechtsbezogenen Traditionen, welcher Folge der Globalisierung ist.

Die Studie ist insofern relevant, dass es zwar Studien gibt, welche über Stress von Vätern, getrennt von ihren Kindern, berichten, jedoch nur sehr wenige, welche auch ihre Emotionen analysieren (Aure 2018:2). Mit ihrer Studie gelingt es Aure anhand von nachvollziehbarer Methodik und klarer Strukturierung zu diesem Themenfeld beizutragen.

 

Literatur

Aure, Marit (2018): Mobile fathering. Absence and presence of fathers in the petroleum sector in Norway. In: Gender, Place & Culture. A Journal of Feminist Geography. DOI: 10.1080/0966369X.2018.1462769. Publiziert online am 24.04.2018. <https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/0966369X.2018.1462769?scroll=top&needAccess=true> (Zugriff am 02.11.2018)

UiT Webseite: UiT The Arctic University of Norway, Tromsø, Norway. <https://uit.no/om/enhet/ansatte/person?p_document_id=66875&p_dimension_id=88153>(Zugriff am 06.11.18).

Werlen, Benno (2014): Globalisierung. In: Lossau, Julia; Freytag, Tim; Lippuner, Roland (Hrsg.): Schlüsselbegriffe der Kultur- und Sozialgeographie. Stuttgart: Eugen Ulmer . S. 54-66.