Konstruierte Werte im Film Romeo und Julia

Romeo
Abbildung 1: Romeo und Julias erstes Treffen auf dem Ball der Capulets.

Romeo und Julia (Martinelli & Luhmann, 1996) ist ein amerikanischer Romantik-Krimi des Regisseurs Baz Luhmann. Der Film von 1996 ist eine Modernisierung von William Shakespeares gleichnamiger Tragödie. Die Hauptdarstellenden sind Leonardo Dicaprio als Romeo und Claire Danes als Julia. Der Film handelt von einem jungen Liebespaar, das aus verfeindeten Familien stammt. Aufgrund der Umstände halten Romeo und Julia ihre Liebe zunächst geheim. Durch eine Reihe von Kämpfen und Missgeschicken begehen sie schlussendlich gemeinsam Suizid, um im Tode für immer vereint zu sein. Ziel dieses Textes ist es, die Werte, welche in der Szene des ersten Treffens global transportiert werden, zu analysieren und hinterfragen.

Die Szene in der Abbildung 1 handelt vom ersten Treffen von Romeo und Julia an einem Ball bei Julias Familie. Noch in derselben Szene küssen sich die Beiden, bevor Julia von ihrem Kindermädchen hergerufen wird. Dies vermittelt, dass Julia noch nicht mündig ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Es erstaunt nicht, dass dieser Wert in den Vereinigten Staaten produziert wurde, wo Jugendliche erst mit 21 Jahren Volljährig sind und dadurch relativ lange von den Eltern bevormundet werden.

In der Szene erkennt man zudem wie die spezifischen Eigenschaften und Fähigkeiten von Romeo und Julia an ihrem Kleidungsstil festgemacht werden. Julias weisses Kleid impliziert die Unschuld und Reinheit des weiblichen Geschlechts. Diese Stereotypen werden mit den Engelsflügel auf ihrem Rücken zusätzlich verstärkt. Im Kontrast zu der zierlichen Julia ist Romeo als Kämpfer in einer robusten Ritterrüstung gekleidet. Der Mann wird hiermit als Symbol von Stärke, Kampfreudigkeit und Siegeswillen, verwendet. Diese Attribute werden in den später folgenden Strassenkämpfen zwischen den verfeindeten Familien der Capulets von Julia und der Montagues von Romeo mehrmals bestätigt. Der Druck ‚ein Mann zu sein‘ führt schliesslich dazu, dass Romeo den feindlichen Tybalt tötet. Die Strassenkämpfe wurden in Mexiko City gedreht, was global ein Image einer unzivilisierten, wilden und gefährlichen Stadt vermittelt.

Auch wenn die Verfilmung als Modernisierung des ursprünglichen Werkes gilt, werden insbesondere die Geschlechterrollen sehr konservativ dargestellt. Das männliche Geschlecht wird stark mit Gewalt und Härte in Verbindung gesetzt, wobei die Frau den unschuldigen, sanften Gegenpol bildet. Solche Stereotypen fliessen dadurch automatisch in das heutige Gesellschaftsbild von Männlichkeit und Weiblichkeit ein. Dies führt zu Vorurteilen und generalisierten Geschlechterrollen, welche dazu führen, dass Menschen nicht frei handeln können, da sie an die sozialen Normen ihres Geschlechts gebunden sind. Trotzdem ist der Film auch ein beispielhafter Vermittler von bedingungsloser Liebe, welche trotz allen Schwierigkeiten und sozialen Normen zwei verfeindete Familien vereint.

Literatur

Martinelli G. (Prod.) & Luhmann B. (Reg.) (1996): Romeo + Juliet (Film). USA: 20th Century Fox.

Abbildung

Abbildung 1: Martinelli G. (Prod.) & Luhmann B. (Reg.) (1996): Romeo + Juliet (Film). USA: 20th Century Fox. 

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s