Never Let Me Go

«Never Let Me Go» ist ein im Jahre 2010 erschienener Film von Mark Romanek, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Kazou Ishiguro.

Never let me go

Die Szene zeigt Ruth, einen menschlichen Klon, der tot auf einem Operationstisch liegt. Ruth ist einer von vielen Klonen, dessen Existenzsinn nur darin besteht, seine Organe zu spenden. Die Organe kommen ihrer besitzhabenden Person zu Gute, die ihr eigenes Leben zu verlängern hofft. Der Filmausschnitt zeigt, wie Ruth nach ihrer dritten Spende stirbt, was im Film «Vollendung» genannt wird.
Anschliessend werden zwei weitere Klone namens Tommy und Kathy gezeigt, welche aufgrund eines Gerüchtes hoffen, die Möglichkeit auf ein normales Leben zu erhalten. Diese Möglichkeit wird ihnen jedoch verweigert. Ihre frühere Vorgesetzte erzählte ihnen, dass sie beweisen wollte, dass sie ebenfalls eine Seele hätten. Doch die Menschen wollten dies nicht wahrhaben.

Die Szene vermittelt eine zweideutige Sichtweise auf den Wert eines menschlichen Lebens. Das Leben wird als sehr kostbar dargestellt, denn es scheint, als wäre dessen Verlängerung ein zentrales Anliegen für die Menschen, das um jeden Preis durchgeführt werden kann. Auch wenn dies bedeutet einen Klon zu beschaffen, dessen Organe dazu dienen das eigene Leben zu verlängern. Gleichzeitig aber scheint das Leben eines Klons keinen Wert, abgesehen von dessen Organen, zu besitzen. Es spielt keine Rolle, was der Klon für Gefühle, Visionen, Hoffnungen und Ängste hat. Seine einzige Lebensaufgabe besteht darin, seine Organe zu spenden und folglich dafür zu sterben.

Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt moralisch vertretbar ist, Klone zu erschaffen und inwiefern sich ein solches Leben von einem «normalen» menschlichen Leben unterschiedet. Eine weitere Frage ist, ob diese als «Produkt» für lebensverlängernde Massnahmen des eigenen Lebens gebraucht werden dürfen. Doch wer bestimmt diese Antworten?

Die Tatsache, dass die Menschen im Film die Klone als nicht-gleichwertige Individuen betrachten wollen, zeigt eine sozial konstruierte Hierarchie zwischen Menschen und Klonen, die ihr Vorgehen legitimieren soll. Dies erinnert an die nationalsozialistische Rassenlehre, die eine genetische Überlegenheit einer Rasse suggerierte und von Hitler genutzt wurde, um seinen Feldzug gegen Menschen jüdischen Glaubens zu rechtfertigen.
Weiter wird in der Filmszene gezeigt, dass Kathy und Tommy durch ein Gerücht neue Hoffnung auf ein normales, «menschliches» Leben fassen. Wenn ein Klon Hoffen kann, dann ist er in der Lage Emotionen zu empfinden. Lassen ihn diese Emotionen nicht doch zu einem Menschen mit den gleichen Rechten werden; zum Beispiel dem Recht auf Leben?

Der Wunsch nach dem ewigen Leben scheint die Gesellschaft seit Beginn der Menschheit zu begleiten, sei es mit der Suche nach dem heiligen Gral oder der Erschaffung ersetzbarer Organe. Glücklicherweise stellt der Film ein fiktives Szenario dar und das Erschaffen eines menschlichen Klons ist derzeit (noch) nicht möglich und in fast allen Ländern der Welt verboten. Doch mit dem Fortschreiten der wissenschaftlichen Technologien und Kenntnissen in diesem Bereich, ist nicht auszuschliessen, dass solche Vorhaben in der Zukunft theoretisch, beziehungsweise technisch möglich werden. Somit liegt es an der Gesellschaft und schliesslich an der Politik, klare Regeln und Grenzen festzulegen, um zu bestimmen was moralisch vertretbar ist.

 

(Elias Frey, Ladina Gaudy)

 

 

Film:

Romanek, M. (2010). Never let me go. USA, United Kingdom.

 

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