Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

„Hidden Figures“ von Regisseur Theodore Melfi erzählt die Geschichte dreier afroamerikanischen NASA Mathematikerinnen, welche in den 1960er Jahren einen massgeblichen Beitrag zum Erfolg der Mercury- und Apollo Raumfahrtsmission der USA leisteten. Das visionäre Trio überquert dabei vorherrschende Gender- und Rassenlinien. Melfi orientierte sich am gleichnamigen Sachbuch von Margot Lee Shetterly (2016), welches auf wahren Gegebenheiten beruht. Der Film wurde Ende Dezember 2016 in den US-Amerikanischen Kinos erstausgestrahlt. Filmkritiker würdigten insbesondere die realistisch wirkende Wiedergabe von gesellschaftlichen Stereotypen und dem Rassendiskurs in den USA im Kontext der 1960er Jahre. Der Film erhielt drei Oskar Nominierungen, darunter jene für den „Besten Film“ (Compton 2017).

Toilettenszene
Katherine Johnson fehlt mindestens einmal täglich eine Stunde an ihrem Arbeitsplatz. Ihr Vorgesetzter Al Harrison fragt nach, wohin sie immer verschwindet. Er ist schockiert, als sie ihm erklärt, dass die einzige Toilette, welche sie benutzen darf, eine halbe Meile entfernt liegt. Zudem ist es ihr verwehrt Fahrräder zu benutzen, um schneller zum anderen Campus zu gelangen.
Anschliessend an die Diskussion mit Johnson entfernt Al Harrisson eigenhändig und sichtlich wütend das Schild für den „Colored Ladies Room“. Die Szene im Gang wird von weissen und afroamerikanischen Arbeiter*innen beobachtet, die sich jeweils auf gegenüberliegenden Gangseiten aufhalten. Er kündigt an, dass es von diesem Moment an keine „colored restrooms“ und keine „white restrooms“ mehr gebe. Jeder und jede soll die Toilette benutzen, welche sich am nächsten zu seinem oder ihrem Arbeitsplatz befindet.

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Der Film widerspiegelt die unruhigen Zeiten in den USA während den 1960er Jahren.  Das System der Rassentrennung wird immer lauter in Frage gestellt. Zudem steigt der politische Druck auf die Raumfahrt, mit der Sowjetunion mitzuhalten. Wegen genau diesem politischen Druck und aufgrund ihrer mathematischen Fähigkeiten wird Katherine Johnson der Kernmannschaft für die praktische Durchführung der ersten Raumflüge zugeteilt. Dies geschieht ungeachtet ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechtes. Al Harrison, der Leiter des Raumfahrtprogramms, begreift nach und nach, dass Katherines Fähigkeiten von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Raumfahrtsmissionen sind (Vision Kino 2018: 4-7).

Katherine Johnson war nicht die erste Afroamerikanerin, welche bei der NASA beschäftigt war. Seit 1956 weitete die Raumfahrtbehörde das Jobangebot für Afroamerikaner*innen zunehmend aus. Für das Apollo Programm ermutigte die NASA erstmals aktiv Afroamerikaner*innen im Raumfahrtprogramm mitzuwirken. Die grösste Herausforderung für die NASA bestand darin, Wohnraum für die Afroamerikaner*Innen bereitzustellen, da diese aufgrund ihrer Hautfarbe nicht in allen Hotels und Wohnungen untergebracht werden konnten. Dr. Wernher von Braun, ehemaliger Direktor des NASA’s Marshall Space Flight Centers, sprach sich 1964 öffentlich gegen die Rassentrennung aus. Die NASA setze somit ein Zeichen, dass auch unterrepräsentierte Gruppen gleiche Anstellungsmöglichkeiten verdienen (Granath 2017).

Die Toilettenszene kann als Startschuss eines Paradigmenwechsels, der Auflösung von rassenspezifischen Grenzen in öffentlichen Räumen, betrachtet werden. Durch das Aufzeigen, dass auch Frauen und Menschen afroamerikanischer Abstammung eine Daseinsberechtigung in wissenschaftlichen Institutionen besitzen, nimmt die NASA eine Vorreiterrolle ein.
Rassentrennung zählt heute als Überwunden. Rassismus und Diskriminierung gibt es allerdings nach wie vor. Der Szene kann als Paradebeispiel für die voranschreitende Abschaffung der ungleichen Behandlung von weissen und afroamerikanischen Arbeitskräften der NASA angesehen werden.

 

Literatur

Compton M. (2017): ‘Hidden Figures’ an inspiring crowd-pleaser. Daily News. Bowling Green KY.

Granath B. (2017): NASA Helped Kick-start Diversity in Employment Opportunities. https://www.nasa.gov/feature/nasa-helped-kick-start-diversity-in-employment-opportunities. (Zugriff 20.11.2018).

Shetterly M. (2016): Hidden figures. The American dream and the untold sotry of the Black  women mathematicians who helped win the space race. William Morrow. New York.

Vision Kino gGmbh – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz (2018): Das Filmprogramm zum Wissenschaftsjahr 2018 – Betriebswelten der Zukunft im Rahmen der bundesweiten SchulKinoWochen. Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen. Hrsg. Vision Kino. Berlin.

Filmszene: https://www.youtube.com/watch?v=QT_d9FGmNC0 (Zugriff 20.11.2018).

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