With a Border Fence in the Backyard

Elina Troscenko ist eine angehende Doktorandin am Department für Sozialanthropologie an der Universität Bergen in Norwegen. Basierend auf einer ethnographischen Feldarbeit soll ihr Artikel aufzeigen, wie die Materialisierung der Grenze Teil der Landschaft und Teil des Lebens der usbekischen Bevölkerung an der kirgisisch-usbekischen Grenze wurde (Troscenko, 2016, S. 88).

Der Buchartikel befasst sich mit der materiellen Vorherrschaft einer Grenzlinie und deren Auswirkungen auf die in Dörfern lebende usbekische Bevölkerung und Landschaft. Dieses sich dort befindliche Grenzgebiet zwischen Kirgistan und Usbekistan, das Fergana Tal, war jedoch nicht immer ein strikter Grenzbereich. Früher war freies, unkompliziertes Überqueren der Grenze möglich. Das Heiraten, Arbeiten oder zur Schule gehen auf der gegenüberliegenden Seite war Teil des Alltags. Dieses grenzüberschreitende Leben machte die Grenze beinahe nicht wahrnehmbar (Troscenko, 2016, S. 91). Grenzen sind dynamisch und verändern sich laufend mit der Zeit. Die Grenzziehungen sind abhängig von Machtbeziehungen und politischen Prozessen. Entweder sind Grenzen gar nicht vorhanden, werden neu definiert oder ehemalige Grenzen werden wiedererrichtet (Troscenko, 2016, S. 88).

Oft werden Grenzen assoziiert als fixe Linien in einer Landschaft, ausgestattet mit hohen Zäunen, Stacheldrähten, Mästen, tiefen Gräben, Verfestigungen oder Barrieren mit bemannten Posten. Grenzen können allerdings nicht lediglich als Linien auf der Karte betrachtet werden, sondern auch als Raum des Austauschs, als Verbindung zwischen zwei Gebieten wodurch Netzwerke entstehen können. Dieses Konzept bezeichnet Robert R. Alvarez als «bridging» (Alvarez, 2012).

Einerseits wird eine materielle, physisch sicht- und spürbaren Grenze im betroffenen Gebiet erwähnt. Dies ist das klassische Bild, welches Menschen von Grenzen haben. Zum anderen existiert eine nicht materielle, nicht sichtbare Grenze. Diese Grenze ist trotzdem spürbar, da es zu Verlinkungen zweier Nationen kommt und gegenseitige Netzwerke und Zusammenschlüsse entstehen, welche sich in sozialen Tätigkeiten, der Arbeit und dem Gemeinschaftsleben widerspiegeln.

Für Troscenko ist eine Grenze nicht einfach eine Barriere, welche ein Gebiet von einem anderen trennt, sondern vielmehr etwas, was die Menschen im Grenzgebiet formt und somit in ihrem Leben direkt beeinflusst (Troscenko, 2016, S. 103, 104).

Durch mehrere Beispiele der zerfallenden Infrastruktur (geschlossene Strassen, einer kaputten Handelsbrücke, stillgelegte Kanäle und Pipelines) sowie persönliche Lebensgeschichten, gelingt es Troscenko den materiellen und gesellschaftlichen Wandel im Grenzgebiet detailliert zu illustrieren.

Kritik gibt es im Bereich der Transparenz ihrer Forschungsmethode.  Bis auf die Tatsache, dass im Jahr 2014 eine Feldforschung durchgeführt wurde, wird nur wenig über das Vorgehen der Forscherin erwähnt. Wie lange war sie vor Ort? Mit welchen Methoden und Mitteln hat sie gearbeitet?

Anders als in der Kursliteratur über die Maquiladoras (Berndt, 2012) wird der grenzüberschreitende Handel nicht gefördert, sondern Strassen und Versorgungsnetzwerke der ehemaligen Sowjet-Zeiten wurden stillgelegt. Usbekistan und Kirgistan isolieren sich zunehmend, angeblich aus ökonomischen und sicherheitstechnischen Gründen (Troscenko, 2016, S. 91).

Zusammenfassend gesehen sind Grenzen nicht lediglich soziale Konstrukte, sondern deren physische Präsenz und ihre Materialität haben einen prägenden Einfluss auf die lokale Bevölkerung. Der klar strukturierte Buchabschnitt, mit einem starken Fokus auf die Materialität der Grenze, vermittelt einen nachvollziehbaren, aussagekräftigen, wenn auch ein wenig nostalgischen Standpunkt.

Literaturverzeichnis

Alvarez, R. R. (2012). Reconceptualizing the Space of the Mexico-US Borderline. In A Companion to Border Studies (S. 538-556). New York: John Wiley & Sons, Ltd.

Berndt, C. (2012). Maquiladora. In V. S. Nadine (Hrsg.), Marquardt: Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart (S. 185-191). Bielefeld: transcript.

Troscenko, E. (2016). With a Border Fence in the Backyard: Materialization of the Border in the Landscape and the Social Lives’ of Border People. In H. Toje, & T. Bringe (Hrsg.), Eurasian Borderlands (S. 87-106). New York: Palgrave Macmillan.

Autoren: Sam Louis & Marius Eller

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