Russia’s and Europe’s Borderlands

Philipp Casula ist ein Soziologe, dessen Forschung sich auf die Aussenpolitik der Sowjetunion und Russland, sowie auf die Politik der internationalen Beziehungen spezialisiert (Universität Zürich, 2018). In der Zeitschrift «Problems of Post-Communism» veröffentlichte er 2014 den Artikel «Russia’s and Europe’s Borderlands».

 

Die Europäische Union und Russland haben verschiedene Herangehensweisen zu ihren Grenzräumen. Russland auf der einen Seite setzt vor allem auf Souveränität und Geopolitik, und die EU auf der anderen Seite auf Sicherheit und Biopolitik. Nach Russlands Ansichten ist Grenzziehung und Territorium stark an Identität gebunden. Das russische Identitätsbild basiert primär auf der gemeinsamen Kultur und Geschichte. So rechtfertigt Russland die Integration der ehemaligen Sowjetstaaten durch die gemeinsame Identität. Die heutige Grenzziehung Russlands stimmt somit nicht mit der territorialen Identität überein. Für die EU ist die gemeinsame Identität nebensächlich, sie beruht auf den Werten und Normen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und setzt sich für die Sicherheit der Bevölkerung ein. Die Grenzen der EU sind in einem stetigen Wandel und dementsprechend nicht statisch. Sie sind durchlässiger für die Zirkulation von Kapital, Menschen, Gütern und Dienstleistung, vor allem innerhalb der EU, wie auch in den Grenzgebieten Russlands, beispielsweise in Karelien. Die EU Aussengrenzen werden jedoch stärker kontrolliert und überwacht (Casula, 2014).

Der Artikel fokussiert sich hauptsächlich auf Grenzräume mit unterschiedlichen Machtstrukturen und auf die Differenzierung von unterschiedlichen Grenzen. Die Borderlands werden durch Hierarchisierung der Menschen, politisches Handeln und den Begriff der Identität konstruiert.

 

Casula beginnt mit einem Zitat von Gloria E. Anzaldúa, welches eine kurze und präzise Definition über Borderlands gibt und das Interesse des Lesers weckt. Die klare Struktur und der Sprachgebrauch des Autors sorgen für einen verständlichen Überblick. Das Souveränitätsverständnis von Russland wird an den Beispielen der Krim und Georgien veranschaulicht und zeigt deutlich die Machtausübung und Geopolitik Russlands. Die Begriffe Souveränität, Geopolitik, Biopolitik und Sicherheit werden nachvollziehbar definiert. Die zahlreichen Wiederholungen führen einerseits dazu, dass sich die komplexen Begriffe beim Leser festsetzten, andererseits jedoch stören sie den Lesefluss. Am Ende erwähnt der Autor, dass die Herangehensweise an Borderlands von Russland und der EU nicht auf den Dualismus von Souveränität und Biopolitik reduziert werden kann, sondern dass sich die Machttechniken überlappen und andere Faktoren mitspielen. Auf diese Faktoren geht er jedoch nicht näher ein und es wäre von Vorteil, wenn er diese wenigstens erwähnen würde. Oftmals bezog sich der Text auf Russland und die Position der EU wurde oberflächlicher behandelt.

 

Das Zitat in «Borderlands» von Marc Boeckler «Borderlands sind selten. Sie gedeihen vor allem dort, wo nationale Gesellschaften grenzüberschreitend aneinanderstossen, und nur dort, wo diese Begegnung Augenblicke spektakulärer Irritation erzeugen kann.» (Boeckler, 2012: 45), knüpft an den Artikel von Philipp Casula an. Die Borderlands von Russland und der EU, ist der Ort, wo Souveränität und Biopolitik aufeinandertreffen.

Unserer Meinung nach ist der Text verständnisvoll formuliert. Da wir mehrheitlich die Werte der EU vertreten, ist es interessant zu sehen, wie anders Russland agiert, obwohl die räumliche Distanz relativ klein ist.

 

Literaturverzeichnis

Boekler, Marc (2012): Borderlands. In: Marquardt, Nadine, Verena Schreiber (Hg.). Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart, Bielefeld: transcript. S. 44-49

Casula, Philipp (2014): Russia’s and Europe’s Borderlands. Between Sovereign Intervention and Security Management. In: Problems of Post-Communism, Band 61, Heft 6, S. 6-17

Universität Zürich (2018): Historisches Seminar. https://www.hist.uzh.ch/de/fachbereiche/oeg/projektmitarbeiter/philippcasula.html#3 (Zugriff: 07.11.2018)

 

Autoren: Vanessa Wyer und Adriana Holzer

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