Rezension zu „The European Dispositif of Border Control in Malta. Migrants’ Experiences of a Securitized Borderland“

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Abbildung 1: Ein Migrant in einem Inhaftierungszentrum für Migrierende ausserhalb von Valletta (International Business Times 2015).

Der Artikel „The European Dispositif of Border Control in Malta. Migrants’ Experiences of a Securitized Borderland“ wurde von Léa Lemaire verfasst. Ihr Studium in Politikwissenschaft hat die Autorin in Aix in Frankreich absolviert und arbeitet jetzt sie an der Universität von Luxemburg, wo sie zu Migration und Governance forscht (Université du Luxembourg 2018).
Léa Lemaire beschreibt im Artikel Herausforderungen der Migration in Malta. Sie zeigt, dass Malta als Borderlands verstanden werden kann. Die Borderlands in Malta bezeichnet sie dabei als abgesichert, wobei sie den Inselstaat als Checkpoint und als Teil des europäischen Dispositives der Grenzkontrolle beschreibt. Sie versucht zu zeigen, wie diese Absicherung sich auf das Alltagsleben der Migrierenden auf Malta auswirkt und dass dabei Grenzen innerhalb des Landes und der Gesellschaft konstruiert werden.
Die Struktur vom Text ist gut, weil sie verschiedene Aspekte verbindet, wie die „ambiguitY“ und die „securitization“ in Malta. Die Argumente des Textes sind verständlich, weil Lemaire sie mit empirischem Material untermauert, wie dies beispielsweise beim Begriff der „ambiguity“ der Fall ist. Mehrere Ausschnitte aus Augenzeugenberichten von MigrantInnen auf Malta bereichern den Text, da sie eine zusätzliche Perspektive beinhalten. Diese Personen haben die beschriebenen Situationen persönlich erlebt und können so direkt ihre Erfahrungen ausdrücken. Die Methodik des Textes ist sehr transparent, weil klar offengelegt wird, auf welche Art die Informationen erhoben wurden. Der Text ist auch klar formuliert, weil bei wichtigen Begriffen wie „dispositif“ erklärt wird, auf welche Definition sich die Autorin beruft. Die Verwendung des Begriffs „migrant“ ist aber undeutlich, weil sich die Autorin dabei lediglich auf illegale Migrierende bezieht und legale Migration explizit ausser Acht lässt. Dabei bleibt sie aber transparent, weil Sie ihre Begriffsverwendung in einer Anmerkung deklariert, mit der Begründung, dass sie als Gruppe über den Begriff konstruiert werden. Der Text ist sehr ausgewogen, weil Lemaire versucht verschiedene Ansätze zu kombinieren und sowohl die Erfahrungen von Asylsuchenden als auch Aussagen der Behörden zu berücksichtigen.
Boeckler (2012: 48) beschreibt Borderlands als Orte normalisierter Differenz. Lemaire beschreibt in ihrem Text, wie in Malta solche Grenzen zwischen Migrierenden und Einheimischen geschaffen werden, indem die Asylsuchenden während ihrer Festnahme, aber auch nachher, vom Rest der Bevölkerung abgeschottet werden und ihnen viele Möglichkeiten verwehrt bleiben.
Laut Kasparek (2016: 38) trifft der Begriff der Borderlands nicht nur auf Malta zu, sondern auch auf andere Mittelmeer-Inseln wie Kos oder Lesbos – sie gehören für die Migrierenden zu den Korridoren nach Europa. Lemaire versucht aber zu zeigen, dass die Borderlands in Malta speziell sind, weil es kein Festland gibt, wo die Migrierenden hin gehen oder gebracht werden können.
Der Autorin gelingt es durch die Verbindung der verwendeten Ansätze ein kohärentes Bild der Borderlands auf Malta zu zeichnen. Das Beispiel von Malta als Korridor ist relevant für die Flüchtenden, weil ihnen gewisse Rechte entzogen werden (Kasparek 2016: 45), was eine Herausforderung darstellt.

Literatur:
Boeckler, Marc (2012). Borderlands. In: Marquardt, Nadine, Verena Schreiber (Hg.). Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart. Bielefeld: transcript. 44-49.
Kasparek B. (2016). Routen, Korridore und Räume der Ausnahme. In: Hess S., B. Kasparek, S. Kron, M. Rodatz, M. Schwertl und S. Sontowski (2017): Der lange Sommer der Migration, Grenzregime III. Berlin : Assoziation A. 38-49.
Lemaire, L. (2018). The European Dispositif of Border Control in Malta. Migrants’ Experiences of a Securitized Borderland. Journal of Borderlands studies, 1-16. Université du Luxembourg (2018): «Léa Lemaire». 30. August 2018. Abgerufen am 6. November unter https://wwwen.uni.lu/research/flshase/identites_politiques_societes_espaces_ipse/research_institutes/institute_of_geography_and_spatial_planning/staff2/lea_lemaire

Abbildungen:
Abbildung 1: International Business Times (2015): What happens to migrants after crossing the Mediterranean to Malta ? 13. Mai 2015. Abgerufen am 8. November 2018 unter https://www.ibtimes.co.uk/isle-landers-what-happens-migrants-after-crossing-mediterranean-malta-photo-report-1500971


Mauro Schmid und François Wermeille

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