Frauen in den Maquiladora. Verliererinnen oder Gewinnerinnen?

Die folgende Rezension befasst sich mit einem Buchartikel zur genderspezifischen Handlungsmacht von Maquiladora-Arbeiterinnen in Nordmexico. Geschrieben wurde der Artikel von Prof. Dr. Elisabeth Tuider und Miriam Trzeciak. Prof. Dr. Elisabeth Tuider absolvierte das Studium der Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien und spezialisierte sich auf die Sozialpädagogik, Heil- und Sonderpädagogik. Seit 2011 hat sie die Professur „Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtigung der Dimension Gender“ an der Universität Kassel inne (Uni-Kassel, n.d). Miriam Trzeciak studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Romanische Philologie in Aachen, Barcelona sowie in Münster. Von 2011-2016 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet „Soziologie der Diversität“ an der Universität Kassel (b-tu, n.d).

Zu Beginn ihres Buchartikels: „Zwischen Ausbeutung und Empowerment? Genderspezifische Handlungsmacht von Maquiladora-Arbeiterinnen in Nordmexiko“ (2014) wird auf die Ausbeutung der Arbeiterinnen in den Maquiladora aufmerksam gemacht. Die beiden Wissenschaftlerinnen wollten jedoch ebenso herausfinden, welche Handlungsmöglichkeiten sich in den Maquiladora für die Frauen ergeben können und wie sich diese manifestieren.

Maquila_ArbeiterinnenAbbildung: Frauen arbeiten in einer Maquila im Norden Mexikos (Primagroup.com, 2018)

So zeigte sich, dass vor allem die Entlöhnung einen starken Einfluss auf den Empowerment-Prozess der Frauen hat. Der Lohn verschafft ihnen Ansehen und Handlungsmöglichkeiten, welche zu mehr persönlicher Freiheit führen können. Der Begriff des Empowerments meint in diesem Zusammenhang den Prozess, substantielle Handlungs-und Wahlmöglichkeiten zu erhalten. Mit diesem Text soll das Spannungsverhältnis zwischen der Ausbeutung durch die Arbeitsbedingungen, aber auch einem gleichzeitigen Empowerment aufgezeigt werden.

Dieser Text hat auf Grund der aktuellen Lebenslage vieler Mexikanerinnen und Mexikaner durchaus seine Berechtigung. Der Artikel folgt zudem einer klaren Gliederung und Struktur. Jegliche Aussagen werden klar begründet und die Argumente sind schlüssig. Durch die Auseinandersetzung mit diesem Text eröffnet sich für uns eine ganz neue Sichtweise, nämlich jene des wachsenden Handlungsspielraums für Frauen durch die Lohnarbeit. Der Text beschreibt das Verhältnis zwischen Ausbeutung und Empowerment in einer verständlichen Art. Unserer Meinung nach wird jedoch zu wenig auf die Thematik der Ausbeutung der Arbeitskraft eingegangen. Es wird zwar davon gesprochen, jedoch fehlt eine kritische Auseinandersetzung mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem und inwiefern es zur Ausbeutung der Arbeitskraft beiträgt.

Auch Christian Berndt hat die Relevanz dieses Themas erkannt. Auch er beschreibt in seinem Text “Maquildora“ (2012) die schwierigen Arbeitsbedingungen der mexikanischen Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken der Grenzregionen. Er erwähnt dabei auch die emanzipatorischen Gender-Verhältnisse und die Frauenmorde. Berndt geht dabei jedoch stärker auf die Ausbeutung und die Diskriminierung der Arbeitnehmenden in den Maquiladora ein. Mit seinem Text gewährt Christian Berndt eine noch breitere Perspektive in das Wirkungsgefüge der Maquiladora als es von Prof. Dr. Elisabeth Tuider und Miriam Trzeciak beschrieben wurde.

Wir sind der Meinung, dass solche Texte, welche die Lebensverhältnisse der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Maquiladora aufzeigen, sehr relevant sind. Denn die Lebensbedingungen in solchen Regionen sind geprägt von Ungleichheit und Gewalt. Dennoch ist es wichtig dabei verschiedene Sichtweisen und Perspektiven einzunehmen. Denn wie diese Texte zeigen, kann ein Perspektivenwechsel eine komplett unterschiedliche Realität darstellen.

Literatur

Berndt, Christian. (2012). Maquiladora. In: Marquardt, Nadine, Verena Schreiber (Hg.). Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart. Bielefeld: transcript. 185-191.

b-tu. (n.d). Akademische Mitarbeiterin. Miriam Trzeciak. Zugriff am 05.11.2018 unter http://www.primagroup.com.py/maquila.php?lang=en.

Trzrciak, M. & Tuider, E. (2009): Zwischen Ausbeutung und Empowerment—Zur Situation von Arbeiterinnen in der nordmexikanischen Maquiladora-Industrie. In: Tuider, E., Wienold, H., Bewernitz, T. (Hrsg.): Dollares und Träume. Migration, Arbeit und Geschlecht in Mexiko im 21. Jahrhundert (S. 154–170). Münster: Westfälisches Dampfboot.

Uni-kassel. (n.d). Zur Person. Wissenschaftlicher Werdegang. Zugriff am 05.11.2018 unter https://www.uni-kassel.de/fb05/fachgruppen/soziologie/soziologie-der-diversitaet/personen/prof-dr-elisabeth-tuider/zur-person.html.

Abbildung

Primagroup. (2018). Zugriff am 05.11.2018 unter http://www.primagroup.com.py/maquila.php?lang=en

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