Rezension: Überlegungen zur Grenzregionforschung

Die gebürtige Polin Katarzyna Stokłosa (21.03.1974 in Bartoszyce) studierte Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt.  Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums 1998 verfasste sie ihre Dissertation unter dem Namen „Borders and Neighbourhood in Eastern Central Europe: A study of the Historic Development after World War II with a Case Study of the Oder-Neisse-Region”. Seit 2015 amtet  Stokłosa als Assoziierte Professorin für Grenzregionforschung an der University of Southern Denmark in Sønderborg (University of Southern Denmark). Das hier rezensierte Essay „Überlegungen zur Grenzregionenforschung“ wurde in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Kirchliche Zeitgeschichte“ 2010 publiziert. Das halbjährlich, vom Vandenhoek & Ruprecht Verlag, herausgegebene Journal untersucht kirchengeschichtliche Themen mit dem Ziel fundierte Forschung über Konfessionen, Grenzräume und Ideologien zu betreiben.

Stokłosa beleuchtet in ihrem Aufsatz in chronologischer Abfolge verschiedene Grenzdefinitionen. Diese Definitionen sind, gemäss ihr, bis zur Herausbildung von Nationalstaaten im 18. Jahrhundert, ausschliesslich in einem regionalen Kontext entstanden und unterscheiden sich stark voneinander (S. 56). Dabei hebt die Autorin insbesondere die Differenzen zwischen dem deutschen Begriff „Grenze“ und den englischen Wörtern „Frontier“ sowie „Border“, zwei nicht synonym verwendbare Begriffe,  heraus (S.55). Anhand der drei Arten von Beziehungen zwischen nationalen Gruppen (kognitive-, funktionelle- und strukturelle Interpendenz) leitet Stokłosa ihre primäre Hypothese ab, dass Grenzen und Grenzräume stets subjektiv wahrgenommen und definiert werden (S.61).

Die Autorin hebt ausreichend hervor, weshalb Grenzräume ein relevanter Untersuchungsgegenstand sind, da diese Räume Orte von Konflikt und Austausch darstellen. Durch die subjektive Wahrnehmung von Grenzräumen entstehen für die Wissenschaft zahlreiche Forschungsfelder, welche mittels qualitativer Methoden untersucht werden können.
Stokłosa beschreibt Sachverhalte objektiv. Da ihr subjektiver Einfluss minim bis gar nicht durchschimmert, wirkt das Essay wissenschaftlich. Der Aufsatz ist aufgrund der simplen Sprachwahl einfach verständlich, trotzdem wird der Text einem wissenschaftlichen Anspruch gerecht. Alle Aussagen sind durch Quellen oder Literaturverweise belegt.

Obwohl die Autorin den  Grenzbegriff chronologisch abhandeln möchte, weist das Essay plötzliche Zeitsprünge vom 12. zum 18. Jahrhundert auf, was der Chronologie entgegenwirkt. Zudem enthält der Text Begriffe, welche nicht genau definiert werden. Beispielsweise führt die Autorin nicht aus, was sie unter „realen Grenzen“ (S. 56) versteht. Durch die hohe Anzahl von Fallbeispielen gibt die Autorin einen Überblick, jedoch wirkt das Essay dadurch etwas oberflächlich. Oft führt sie die Fallbeispiele nicht aus oder setzt Vorwissen voraus. Bei der Beschreibung des Fallbeispiels der Region Soria (S.56) setzt die Autorin Vorwissen über Spanische Geschichte voraus und führt nicht präzise aus, wie dieses Gebiet als Pufferzone gewirkt hat. Stokłosa spricht die Bedeutung von natürlichen Grenzen wie Gebirge, Flüsse etc. nicht an. Ausschliesslich die anthropogen geschaffenen Grenzen werden im Essay berücksichtigt, was aufgrund ihrer kirchengeschichtlichen Perspektive durchaus nachvollziehbar ist.

Auch Arneaud Lechevalier und Jan Wielgohs (2013:103) unterstützen den Gedanken, Grenzregionen als vielfältige Forschungsgebiete zu nutzen. Sie spezialisieren sich jedoch auf territorialen Zusammenhalt.

Zusammenfassend lässt sich aussagen, dass Stokłosas Aufsatz, bedingt durch ihre chronologische Erzählweise, einen roten Faden vorweist. Im Verhältnis zur Essaylänge liefert die Autorin einen umfassenden Überblick über Grenzregionen und insbesondere Grenzdefinitionen. Der Essay weist einen für den Leser nachvollziehbaren Aufbau auf, dem ein stimmiges und schlüssiges Konzept zugrunde liegt.

Literatur:

Lechevalier, A. & Wielgohs J.(2013): Territorial Cohesion and Border Areas. In: Borders and border regions in Europe: changes, challenges and chances. (S.95-110). Transcript. Bielefeld.

Stoklosa K.(2010): Überlegungen zur Grenzregionenforschung. In: Kirchliche Zeitgeschichte, Grenzen als Barrieren – Grenzregionen als Chancen. Das Beispiel Karelien. Vol. 23, No. 1. (S.53-62). Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen.

University of Southern Denmark: Katarzyna Stoklosa. http://findresearcher.sdu.dk/portal/en/persons/katarzyna-stoklosa(9ab749d1-293c-4228-9460-51725030a621)/info.html???top_university_url??? (Zugriff: 7.11.2018).

(Locher Luca, Sigrist Fiona)

 

 

 

 

 

 

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s