Peng!

Plakat-Votebuddy-1200x675

Abb. 1: Votebuddy gibt vor, sogar Plakatwerbung zu schalten (Netzpolitik.org, 2017 )

“Peng!” ist ein Künstlerkollektiv in Berlin, welches sich selber als Antagonist von Werbeagenturen grosser Konzerne bezeichnet (Peng! Kollektiv, o.J.). Es hinterfragt politische Propaganda, die Selbstdarstellung von Konzernen und konventionelle Mentalitäten. Durch subversive Aktionskunst und zivilem Ungehorsam hat es das Ziel, der Zivilgesellschaft und etablierten NGO’s kreative Methoden zu mutigeren Kampagnen und unterschiedlichen Formen des Protests aufzuzeigen (Peng! Kollektiv, o.J.).

Durch den Einsatz von Aktivismus, Hacking und Kunst lenkt das Kollektiv immer wieder Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Thematiken, um eine gesellschaftliche Debatte auszulösen (Giesecke u. Musialik, 2017). Die Aktionen richten sich häufig gegen Parteien, Konzerne oder die EU (Giesecke u. Musialik, 2017).

Das Kollektiv betreibt in unterschiedlichster Form kreativen Politaktivismus. Häufig äussert sich Ihr Widerstand in Form einer Kampagne. Ihre Aktionen werden meist als Kurzfilm dokumentiert und im Internet veröffentlicht. Die Aktivisten arbeiten oft mit falschen Identitäten oder veranstalten Fake-Inszenierungen. Beispielsweise gaben sich Mitglieder des Kollektivs als Google-Mitarbeiter aus und stellten neue Fake Überwachungs-Produkte vor (Arte Tracks, 2016). Weiter riefen sie durch einen Werbeclip zur Fluchthilfe auf (Jakob, 2016) oder täuschten durch die gefälschte Website  VoteBuddy vor, dass Nichtwähler ihr Stimmrecht an Migranten abtreten könnten (Gensing, 2017).

Seinen Aktivismus begründet das Peng! Kollektiv unter anderem damit, dass linke Protestformen nicht verstaubt und langweilig aussehen müssen und wählen deshalb möglichst kreative Vorgehensweisen für ihre Kampagnen (Giesecke u. Musialik, 2017). Ebenso versuchen sie oft einen Moment der Irritation zu schaffen, um Widersprüche aufzuzeigen und einen Denkprozess anzustossen (Giesecke u. Musialik, 2017). Das Kollektiv arbeitet viel über das Internet, da es für sie eine zeitgemässe und äusserst schnelle Methode ist, ihre Aktivitäten mit vielen Menschen zu teilen (Giesecke u. Musialik, 2017). Das sie bei ihrem zivilen ungehorsam teils Gesetze brechen, ist für sie keine Straftat, sondern eine Form der kollektiven Behauptung: Wir wollen eine andere Welt.

Sozialer Widerstand zeigt sich heute auch vermehrt wieder an Demonstrationen. Im Jahr 2014 gab es alleine in Berlin fast 5000 Kundgebungen, doppelt so viele wie 2010 (Berliner Morgenpost, 2014) – der Trend ist anhaltend. Bei dieser inflationär hohen Zahl und der Komplexität aktueller Problematiken, wie beispielsweise der Migrationsdebatte ist die Frage nach der Effektivität und den Auswirkungen solcher Demonstrationen legitim. Peng macht alles etwas anders und versucht vor diesem Hintergrund mit ihrer subversiven Aktionskunst trotzdem aus der Masse hervorzustechen. Die Befunde von Barberá et al. (2015) unterstützen zudem die Wichtigkeit von Aktivismus im Web, auch bekannt als Slacktivismus. Durch das Internet hat es das Kollektiv geschafft national sowie international Menschen zu inspirieren und verschiedenste Reaktionen zu provozieren.

Die oft satirische Vorgehensweise des Peng! Kollektivs wirft die Frage auf, ob es der Ernsthaftigkeit der Kampagneninhalte gerecht wird. Es kann hinterfragt werden, ob eine nüchterne Form des Widerstandes, beispielsweise durch Petitionen einen grösseren Einfluss auf die von ihm kritisierten Missstände hätte. Ebenso ist es fraglich, ob seine häufig genutzte Methode des zivilen Ungehorsams notwendig ist oder ob es alternative Vorgehensweisen mit ähnlicher Effektivität gäbe. Abschliessend ist die Rückkopplung zwischen seinem digitalem Politaktivismus und den Reaktionen und Veränderungen in der analogen Realität schwierig festzuhalten.

 

Literaturverzeichnis:

Arte Tracks: Peng! Collective – Meister des zivilen Ungehorsams! // SUMMER OF SCANDALS. YouTube, Web, 04.08.2016, in: https://www.youtube.com/watch?v=qRCJLktsGxk, (Zugriff: 24.10.18)

Barberá, Wang, Bonneau, Jost, Nagler, Tucker et al. (2015): The Critical Periphery in the Growth of Social Protests. In: Plos One: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/j ournal.pone.0143611#abstract0 (Zugriff: 22.10.2018).

Deutsch Presse Agentur (2014): Demonstrationen. Neuer Rekord – Zahl der Demos hat sich seit 2010 verdoppelt. In: Berliner Morgenpost: https://www.morgenpost.de/berlin/article135809148/Neuer-Rekord-Zahl-der-Demos-hat-sich-seit-2010-verdoppelt.html (Zugriff: 22.10.2018).

Gensing, Patrick (2017): Der “VoteBuddy” ist ein Fake. Angeblicher Stimmentausch. In: tageschasch.de. (Stand: 08.09.2017) https://www.tagesschau.de/inland/btw17/votebuddy-btw17-fake-101.html (Zugriff: 25.10.18)

Giesecke, Dana & Raven Musialik (2017): Anleitung zum Widerstand. Klicken oder Regeln brechen? In: Die Tageszeitung: taz. http://www.taz.de/!164651/ (Zugriff: 22.10.2018).

Jakob, Christian (2016): Die Bleibenden: wie Flüchtlinge Deutschland seit 20 Jahren verändern. Berlin: Ch. Links Verlag

Kingsley, Grant: Die Kunst der Provokation – 3sat Dokumentation über Peng! Kollektiv. YouTube, Web,  21.09.2017, in: https://www.youtube.com/watch?v=5emovH8Zni0, (Zugriff: 25.10.18)

Peng! Kollektiv (o.J.): Wir nutzen medienwirksame Wunderwaffen für radikale Botschaften. https://pen.gg/de/. (Zugriff: 22.10.2018).

Abbildungen:

Abbildung 1: Netzpolitik.org. (2017). Angebliches Start-Up-Unternehmen bietet Stimmentausch zur Bundestagswahl an. https://netzpolitik.org/2017/angebliches-start-up-unternehmen-bietet-stimmentausch-zur-bundestagswahl-an/ (Zugriff: 22.10.2018).

(Erstellt von: Jan Hochuli und Bastian Marxen)

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s