Die Berg- und Talfahrt der Anti-AKW-Bewegung

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Abb. 1: Will nicht die Augen vor dem atomaren Risiko verschliessen: Aktivist am 26. April in Bern.

Bis 1969 war die Gefahr eines AKWs nicht Teil der öffentlichen Diskussion. Die Anti-AKW-Bewegung der Schweiz hat ihren Ursprung erst im Jahr 1970, wo im Zuge des geplanten Atomkraftwerks (AKW) Kaiseraugst, das Nordwestschweizer Aktionskomitee gegen Atomkraftwerk (NWA) gegründet wurde. Das NWA setzt sich als Gegengewicht gegen die ungebremste Nuklear-Euphorie für das Verbot neuer AKW ein. Im supranationalen Rahmen kämpft die NWA als Mitglied des trinationalen Atomschutzverbands gegen das AKW Fessenheim im Elsass und gegen die geplanten Endlager in der Region (Giugni & Passy, 1999).

Im Jahr 1974 fanden auf dem Baugelände des AKW Kaiseraugst AG 6000 Menschen für eine Kundgebung zusammen, was das Mobilisierungspotential der AKW Gegner zum ersten Mal sichtbar machte (Zwicky, 1983). Der Kanton Basel, betroffen von möglichen Auswirkungen, hatte keine Möglichkeit der Einflussnahme oder politischen Intervention. Die Basler forderten ein Mitspracherecht zu solch einem Vorhaben nahe ihrer Kantonsgrenze und innert kürzester Zeit wurde der Bau zum nationalen Politikthema. 1975 wurde das Baugelände Kaiseraugst besetzt was den ersten Höhepunkt der schweizerischen Anti-AKW-Bewegung markiert. Der Widerstand gegen die Atomkraftwerke wird zudem anhand von Volksabstimmungen, Petitionen und Initiativen auch in den Institutionen geführt. Konkret werden Unterschriften für politische Vorstösse auf nationaler Ebene gesammelt (Kriesi, 1982).

Nach 1975 bildeten sich schweizweit verschiedene Unterstützungskomitees. Jedoch kam es zur Spaltung der Bewegung, wodurch sie an Einflussnahme und medialer Präsenz verlor. Es wurden weiterhin Proteste organisiert und man versuchte Initiativen zu lancieren. An die Erfolge vergangener Tage konnte jedoch nicht angeknüpft werden. Erst 1986, nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl, mobilisierte sich die Anti-AKW-Bewegung erneut, was zu den beiden Volksinitiativen «Für den Ausstieg aus der Atomenergie» und «Stopp dem Atomkraftwerkbau» führte. Die letztere der beiden Vorlagen wurde angenommen. 2011, nach der Naturkatastrophe in Fukushima kam es erneut zu einem Aufschwung in der Anti-Atomkraft-Bewegung. Zum ersten Mal seit den 80er Jahren war die Bewegung wieder sichtbar und zog auch politisch Ungebundene und Bürgerliche an (Kupper, 2003)

Atomkatastrophen wie die Reaktorexplosion in Tschernobyl 1986 oder der Super-GAU von Fukushima 2011 untermauern die Argumente der AKW-Opposition gegen Atomenergie. Nicht nur das immense Schadenspotential bei einem Unfall, sondern auch die ungeklärte Entsorgungsfrage des Atommülls gehört zu den Kernargumenten für die Bewegung. Ein weiterer Brennpunkt ist zudem die Unvereinbarkeit der Atomkraft mit dem Klimaschutz, da durch den Bau neuer Atomkraftwerke die Entwicklung einer sicheren Stromversorgung mit erneuerbaren Energien behindert und Anreize zur Energieeffizienz unterbunden werden (Zwicky, 1993).

Auch heute noch verfolgt die Anti-AKW-Bewegung dieselben Ziele wie zu ihrer Gründungszeit. Nach einer AKW Katastrophe ist die Bewegung immer stark in der Öffentlichkeit präsent. Mit der Zeit verliert sie jedoch die Aufmerksamkeit der breiten Bevölkerung. Auf der anderen Seite trug die Anti-Atomkraft-Bewegung zum Beschluss des Bundesrats über den geordneten Atomausstieg und die Energiestrategie 2050, die im Mai 2017 vom Volk angenommen wurde bei. Der Bau neuer AKW ist nun nicht mehr möglich was zu den grössten Erfolgen der Bewegung gehört.

Literatur

Giugni, Marco & Passy, Florence: Zwischen Konflikt und Kooperation. Die Integration der sozialen Bewegungen in der Schweiz, Zürich 1999.

Kriesi, Hanspeter: AKW-Gegner in der Schweiz, Diessenhofen 1982.

Kupper, Patrick: Atomenergie und gespaltene Gesellschaft, Zürich 2003, S. 152.

Zwicky, Heinrich: Umwelt als Aktivierungsgrund. Politische Aktivierungsereignisse zu Umwelt-, Verkehrs- und Wohnfragen in der Schweiz, 1945 – 1989; Bericht 12 des NFP “Stadt und Verkehr”, Zürich 1993.

Abbildungsverzeichnis

Tagesanzeiger: Das Comeback der AKW-Gegner. https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Das-Comeback-der-AKWGegner-/story/25698077?track. (Stand: 22.05.2011) (Zugriff: 24.10.2018).

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